Glaube. Bildung. Leben .

HERZLICH WILLKOMMEN AUF DIESEM BLOG

Samstag, 13. Dezember 2014

Pressebericht der TLZ zum letzten Eichsfeldforum des Jahres


"Apokalypse nach Richard


Letztes Eichsfeldforum des Jahres 2014 als Konzert-Lesung

 

Heiligenstadt. Betroffenheit, Nachdenklichkeit, wissendes, zustimmendes  Lachen gehörten zum gespannten Zuhören, als Matthias Matussek aus Hamburg aus seinem Buch „Die Apokalypse nach Richard“ las. Für entspanntes Zuhören zwischen den einzelnen Kapiteln sorgten die jungen Musiker Sven Tasch und Leonhard Hunold, Mitglieder der Eichsfelder Formation „Diekenstiek“, mit ihrer wunderbaren Musik.
 
 „Eine Konzert-Lesung, einen völlig anderen Bildungsabend, der die Besucher des letzten Eichsfeldforums im Jahr 2014 mit etwas Schönem im Herzen nach Hause gehen lässt“ nannte Dario Pizzano, Koordinator des Forums, dieses Donnerstag-Angebot. Allen Freunden des Eichsfeldforums dankte er für ihre Treue, für ihr Interesse an den Vorträgen und Diskussionsrunden im Laufe des Jahres.
 
Diesmal blieb das Rednerpult verwaist; für den Autor stand ein großer Lesesessel bereit. Matthias Matussek, Jahrgang 1954, hat als Reporter die Welt bereist, berichtete aus New York, Rio de Janeiro und London.
 
In Heiligenstadt wurde das Publikum mitten hinein genommen in die schier unglaublichen Ereignisse am 23. und 24. Dezember, die sich um den alten Richard, seine Frau Waldtraud, seine Kinder und Enkelkinder drehen. Und darum, was an Unglaublichem passiert, nicht zuletzt deshalb, weil jedes Familienmitglied seine individuellen, christlichen und nichtchristlichen Vorstellungen von Weihnachten hat. Die unterschiedlichsten Charaktere treffen einmal im Jahr aufeinander am schönsten Fest des Jahres. Ein nachvollziehbarer Wunsch, dass (fast) alle, egal wo sie ihr Zuhause haben, zusammen sind. So empfindet es auch Matthias Matussek.
 
Eine Besucherin der Lesung zog Parallelen zu einem längst vergangenen Nikolausabend in ihrer Familie, der allen seiner nicht alltäglichen Ereignisse wegen im Gedächtnis geblieben ist. Anrührend ist das Verhältnis zwischen dem alten Richard und seinem vierzehnjährigen Enkelsohn Nick.

Der Beschreibung des Dezember-Markttreibens der Gegenwart mit seinen üppigen, unüberschaubaren Warenbergen steht im krassen Gegensatz Richards Erinnerung an ein Weihnachtsfest der 1930er Jahre gegenüber. Nur wenig Spielzeug gab es und die Nüsse waren abgezählt. Zum gegenwärtigen Weihnachten ersetzt auf Grund unerhörter Umstände, die Gans betreffend, Fast Food von Mc Donalds das festliche Mahl. Die Welt geht unter, just in dem Moment, als Richard beim traditionellen Lesen der Weihnachtsgeschichte den Engel zitiert: „Fürchtet euch nicht, ich verkündige euch eine große Freude...“
 
Ein Mensch stirbt und ein Mensch wird geboren und der Leser ist bereit, fern jeglichen Kitsches, an ein modernes Wunder zu glauben. Matussek schreibt: „Alle Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit sind zufällig, aber wahrscheinlich unvermeidbar...“.

Im sich anschließenden Gespräch mit den Besuchern erklärte der katholische Journalist zur Gestalt des Titelhelden: In Richard sehe er seinen verstorbenen Vater und habe der Hauptfigur der Erzählung einige seiner Eigenschaften verliehen. Gewiss haben viele Zuhörer empfunden, dass ein solch eindrucksvolles Dankeschön eines Sohnes an seinen Vater nicht nur an Dezemberabenden lesenswert ist.

 

Dipl.Journalistin Christine Bose

Montag, 27. Oktober 2014

Pressebericht zum Vortrag im Eichsfeldforum "Bindungen-Warum wir nicht alleine leben können!"


Eichsfeldforum mit neuem Gesicht

 
von Gregor Mühlhaus

 
Von einer völlig neuen Seite präsentiert sich seit diesem Herbst das Eichsfeldforum mit seinen Veranstaltungen im Marcel –  Callo – Haus in Heiligenstadt. Entgegen der jahrelangen Gepflogenheiten, die Veranstaltung in „Kinosaalsitzordnung“ abzuhalten, laden die Veranstalter nun in lockerer Restaurantatmosphäre zum Zuhören, Zuschauen und Miterleben ein. Snacks, Wasser und Rotwein werden gereicht und lassen die Gäste ungezwungen ins Gespräch kommen. Die Plätze jedoch reichten am Donnerstag bei Weitem nicht aus. Angesagt hatte sich Frau Dr. med. H. C. Hinz, Kinderärztin aus Göttingen, um über das Thema „Bindungen – Warum wir nicht alleine leben können“ zu referieren.

 

„Wer früher klettern lernt, kann später besser rechnen“. Mit diesen oder ähnlichen Thesen löste die Medizinerin aus Göttingen unter den gebannt zuhörenden Gästen immer wieder großes Erstaunen aus. Illustrativ beschrieb sie zu Beginn die Gepflogenheiten und die Ausstattung ihrer ehemaligen Kinderarztpraxis, in der ein „Schaukelpferd, so groß wie ein echtes Pferd“ stand und eine „Lokomotive“. Weiße Kittel während der Sprechstunden habe man nicht getragen, auch auf Arztpraxismöbel wurde verzichtet, um den kleinen Patienten die Angst zu nehmen. „Ein junges Kind kann seine Ängste nur mit einem geliebten Menschen regulieren – nie allein“, machte die Fachärztin deutlich, dass Kinder sowohl in den ersten Lebensmonaten als auch später jederzeit eine Bindungsperson zur Seite brauchen.
 
Die beglückenden Lächeldialoge beim Blickkontakt seien beim Kleinkind die ersten Kommunikationsmomente, erklärte Hinz und betonte, dass diese Dialoge bis zum sechsten Lebensmonat bereits 30 000 Mal stattfänden. So erfahre das Kind, dass es anderen Freude bereite und habe selbst keine Angst mehr. Ansprache in Lächeln bringe immer und überall Hoffnung. Man könne dieses Lächeln nicht trainieren oder einstudieren. Als nächster Schritt komme die melodiöse Lautbildung hinzu, die sogenannte Mami – und Papisprache in hoher Tonlage, die verlangsamt und akzentuiert stattfinde. Sie fördere die Aufmerksamkeit mehr als die „normale Sprache“. Laut Hinz hängen die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes an den Lippen der Erwachsenen und lernen dann später erst die Bedeutung der Worte. Im weiteren Verlauf der Entwicklung eines Kindes werden Bindungen an andere Menschen, wie an Nachbarn, Freunden oder Krippenbetreuern erweitert.

Dabei entstehen die so wichtigen Fähigkeiten zur Empathie, also dem Mitfühlen. Durch Bindungsstörungen, die zum Beispiel durch wenig Zuwendung, Vernachlässigung, Heimaufenthalt oder Gewalt und Aggression gegen das Kind entstehen können, verlieren die Kinder diese Empathiefähigkeit oder lernen sie erst überhaupt nicht. Sie haben keine wertvollen handlungsleitenden Bilder abgespeichert, auf die sie zurückgreifen können.

Es kommt zu einem „Beziehungsverarmen“. Eines der schlimmsten Szenarien bedeute der Tod eines Elternteils. So nehme dann niemand mehr die Sehnsucht, die inneren Wünsche und Bedürfnisse des Kindes wahr. Die „gewollte Wahrnehmung“ steht nun im Vordergrund. Kinder suchen dann verzweifelt nach Zuwendung, auch mit weniger schönen Mitteln. Sie entpuppen sich als Klassenkasper, Bösewicht und Anstifter zu Verbrechen. „Wenn dann noch eine Demütigung hinzukommt, dann ist das hochexplosiv und verheerend destruktiv, sodass es unmittelbar zu ausufernder Gewalt kommen kann“, unterstrich Dr. Hinz. Für die Entwicklung eines Kindes gelte generell: „Schatzsuche – nicht Fehlersuche“, was bedeute, immer die vielseitigen Fähigkeiten eines Kindes hervorzuheben und nicht die Fehler in den Vordergrund zu rücken.

Montag, 6. Oktober 2014

Pressebericht zur Podiumsdiskussion im BOXKINO Leinefelde


Jugendkriminalität – Wege aus der Spirale der Gewalt 
 von Gregor Mühlhaus

 
Auf seinem T– Shirt steht der Schriftzug „Ich will ein Leuchtturm sein“. Der Mann, der es trägt ist groß und kräftig. Holger Stitz ist einer von drei Podiumsteilnehmern, die kürzlich im Rahmen des Eichsfeld - Forums im Boxkino in Leinefelde über das Thema

„Jugendkriminalität – Wege aus der Spirale der Gewalt“ sprachen.

Bilder von prügelnden Jugendlichen in Großstädten, Tritte auf wehrlose Menschen in U-Bahn Stationen, Gewaltexzesse, die mit Handys gefilmt, den Weg in die sozialen Netzwerke finden, Diebstahl und Drogeneskapaden. Ist das das reale Bild der Jugend von heute?

Dieser Frage stellten sich im abendlichen Diskurs weiterhin Anabel Taefi, Diplomsoziologin aus Münster und Pfarrer Markus Könen aus Heiligenstadt. So berichtete Gastdozentin Anabel Taefi  von ihrer Arbeit mit straffälligen Jugendlichen und unterstrich die Notwendigkeit von Angeboten wie dem Boxkino. Bei allen Sorgen wies sie darauf hin, dass entgegen der landläufigen Meinung, die Jugendkriminalität würde immer mehr ansteigen, eher ein Rückgang zu beobachten sei. „Das belegen Zahlen, Studien und Statistiken“, so die Doktorandin am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen.

Die Wahrheit sei, dass es einen Medienpopulismus gebe und die Menschen gezielt auf Straftaten Jugendlicher aufmerksam gemacht würden. „Schon seit Jahren sinkt die allgemeine Gewaltakzeptanz in der Bevölkerung“, so die Diplomsoziologin weiter. Es sei allerdings ein Anstieg bei Bagatelldelikten zu verzeichnen.

Holger Stitz ist Leiter des Boxkinos in Leinefelde. Er selbst wurde, wie er sagte, früher gehänselt, weil er sportlich nicht gerade begabt war. Dann wurde er auf das Boxen aufmerksam, das ihn inspirierte, aufrüttelte und ihm half an sich zu glauben.

Stitz beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit straffälligen Jugendlichen und sieht  Einrichtungen wie das Boxkino, in dem Sport getrieben und gleichzeitig Sozialarbeit geleistet wird, als eminent wichtig an.  Die Hauptverantwortung bei der kindlichen Erziehung machte er in erster Linie bei Vater und Mutter aus. Heutzutage seien die Kinder in ihrem Lebensgefüge oft hin und hergerissen, sagte der Pädagoge. „Hier im Boxkino erfahren die Kinder und Jugendlichen Aufmerksamkeit und Geborgenheit. Aber was ist, wenn sie nach Hause kommen und der Vater bekifft auf dem Sofa liegt?“, so Stitz über die negative Vorbildwirkungen der Eltern. Spätestens dann stellten sich die Kinder die Frage: „Was ist denn nun eigentlich im Leben das Richtige?“  

Schulpfarrer Markus Könen vom Berggymnasium in Heiligenstadt sprach von „einigen verlogene Diskussionen“, die auf politischer Ebene stattfänden.  Auch er warnte vor zu großem Populismus.

Man müsse nicht überdramatisieren, so der Geistliche. Trotzdem machte Könen unmissverständlich deutlich: „Es gibt natürlich Probleme, die die Kinder mit in die Schule bringen.  Ein Jugendlicher, den wir momentan begleiten, wird im Elternhaus verbal tyrannisiert, weil er den Vorstellungen seines Vaters nicht entspricht“. Das sei auch Gewalt,  mit der man sich auseinander setzen müsse. „Die Kinder und Jugendlichen können nichts dafür in welche Welt sie hineingeboren werden. Wir als Zivilisation machen die Menschen schließlich zu dem was sie sind“, betonte Könen. Das Effektivste bei der Betreuung der jungen Heranwachsenden seien solche Projekte wie das Boxkino, von denen man viel mehr brauche. Unerlässlich jedoch sei ein großes Netzwerk von Bildungszentrem im Allgemeinen, betonte Könen nachdrücklich.

Ein gutes Beispiel wie Sozialarbeit mit Jugendlichen gut funktioniert, ist Julian, der seit 18 Monaten im Boxkino trainiert. Früher war der heute Zwölfjährige übergewichtig. „Irgendwann kam ich zu Holger und zum Boxen. Hier habe ich gespürt, dass jemand an mich glaubt“, so der Schüler.

 

Sonntag, 28. September 2014

Presseartikel TLZ Eichsfeldforum "Wohin ist Gott?"



Gott nicht nur den „Profis“ überlassen


Säkularisierung als Thema des Eichsfeldforums mit Prof. Dr. Maria Widl



Heiligenstadt.  Nach einer schweren Krankheit kehrt ein Mensch in den Alltag zurück. Seine Begründungen für die Genesung, geäußert in Gesprächen mit Angehörigen,  Freunden, Kollegen: Gesund wurde er dank der Ärzte und Krankenschwestern, der voranschreitenden medizinischen Forschung, der Pharmaindustrie mit ihren hervorragenden Medikamenten, dem hilfsbereiten Zur-Seite-Stehen seiner Familie. Aber gab es da vielleicht doch noch etwas anderes?

 „Gott kommt in den meisten Kommentaren nicht vor, mit ihm wird nicht gerechnet“, unterstrich am Donnerstag im Eichsfeldforum Prof. Dr. Maria Widl, Pastoraltheologin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Ihr Thema, für das sie im Marcel-Callo-Haus mit minutenlangem Beifall belohnt wurde: „Wohin ist Gott? Säkularisierung als Zeichen der Herausforderung“. 

In den Industriestaaten verschwinden Religion und Glaubenspraxis zunehmend aus der Öffentlichkeit. Folge der Säkularisierung (Verweltlichung) , die einhergeht mit der Vernunft im Vordergrund, dem Lösen religiöser Bindungen, der Zuwendung der Menschen zum Materiellen, zu toten Dingen. „Wie oft haben Sie heute an Gott gedacht?“ lautete eine Frage der Religionswissenschaftlerin an die fasziniert zuhörenden Besucher. Eine Antwort an Ort und Stelle erwartete sie nicht bei ihrem Anstoß zum Nachdenken. 

Bewusst provozierend überhöht klangen ihre Worte, mit denen sie aktuelle gesellschaftliche Erscheinungen charakterisierte: Die Technik schreitet ständig voran. Was brauchen wir den Wettersegen? Wir haben Kunstdünger! Am Sonntag gibt’s Fußball, keinen Gottesdienst. Die Kirche ist ein Verein wie viele andere auch und ich kann als moderner, aufgeklärter Mensch frei entscheiden, ob ich mir ein kulturelles Erlebnis in der Kirche gönne, einen Kino- oder Theaterbesuch. Freilich gibt es da ein paar schwache Menschen, für die der Glaube etwas Gutes bedeutet. Manche junge Eltern, selbst weit entfernt von Gott, wollen sogar ihr Baby taufen lassen mit der erklärten Absicht, für das Kind eben alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die diese Gesellschaft bietet. 

Als typisch für die moderne Kultur nannte Prof. Dr. Widl die Tatsache, dass wir uns viel zu sehr mit dem beschäftigen, was wir selber erledigen und beeinflussen können. Beim dem Gefühl, immer mehr Herr der Lage zu sein, ist kein Platz für Suche nach Gottes Spuren.  „Wir haben eine ambivalente Kultur“, betonte die Referentin und hatte für dieses Nebeneinander von Gegensätzen lebensnahe Beispiele parat: Atheisten, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, würden häufig vergessen oder nicht wissen: Diese Menschenrechte beruhen auf dem Erbe des Christentums. 

Bei Umfrageergebnissen zu sozialen Themen stehe die Caritas ganz oben, ausgewählt und geschätzt auch von Menschen, denen Christsein nichts bedeutet. Christen als Teil der säkularen Kultur komme die Aufgabe zu, Gott ins Spiel zu bringen, wer sollte es sonst tun?! 

Hierfür seien nicht nur die „Profis“ (Zitat Prof. Widl) zuständig, wie Ordensschwestern und Priester. Der Abend hätte eine noch längere, äußerst angeregte Diskussion gebracht, doch musste Prof. Widl den letzten Zug in die Landeshauptstadt erreichen.



Dipl. Journ. Christine Bose

Pressekommentar zum neuen Konzept des Eichsfeldforums



Sind wir hier richtig?



Eichsfeldforum in neuer Saison mit neuem „Kleid“



Heiligenstadt. Irritierte Besucher, erstaunte Gesichter, gefolgt von der Erkenntnis, hier ja wohl doch richtig zu sein und am Ende sehr viel Zustimmung. Das Eichsfeldforum, eine Einrichtung des Bistums Erfurt im Eichsfeld präsentiert sich mit Beginn des Herbst-Winter-Semesters 2014/2015 im neuen Kleid. Diese Bezeichnung wählte am Donnerstag Dario Pizzano als verantwortlicher Ansprechpartner, der durch den Abend führte.

Gewohnt, auf den in Reihen aufgestellten Stühlen Platz zu nehmen, glaubten viele Besucher zunächst mit Blick in den Saal, sich in eine andere Veranstaltung des Hauses verirrt zu haben, wurden jedoch gleich an der Tür von Dario Pizzano freundlich willkommen geheißen. Für die Begründung des neuen “Kleides“ bemühte er den griechischen Philosophen Heraklit mit dessen vor 2500 Jahren geprägten Worten: „Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen.“   

Von Herzensbildung und nachhaltigem Lernen, von Bildung als einem ganzheitlichen Prozess, der außer dem Verstand Herz, Seele und Körper, also den ganzen Menschen anspricht, haben sich die Verantwortlichen des Eichsfeldforums leiten lassen. Das Ergebnis: Tische und Stühle im Saal, auf den Tischen Blumen und Kerzen, Brot, Wein und Wasser – auch als eine Einladung, hinterher noch miteinander ins Gespräch zu kommen. 

Kleine musische oder künstlerische Beiträge zur Umrahmung. Am Donnerstag war es zum Auftakt „Gnade“ des Duisburger Liedermachers Tom Liwa.

Jeder Besucher erhielt – und das soll jetzt ebenfalls so bleiben – ein Merkblatt im Postkartenformat, auf dem wichtige Eckpunkte des Referates festgehalten sind. Zum Nachlesen und Nachdenken über die jeweilige Veranstaltung hinaus. 

Am Inhalt der Foren ändere sich nichts, versicherte Dario Pizzano im Rahmen seiner Mitstreiter. Und das bedeutet: „Hochkompetente Referenten, spannende Themen, interessante Bildungsabende, Lesungen und Diskussionen, die einen fruchtbaren Dialog von Kirche und Gesellschaft  befördern sollen.“



Dipl.Journalistin Christine Bose 

Montag, 21. Januar 2013

Religionsphilosoph Prof. Dr. Jörg Splett sprach im Eichsfeldforum




Freiheit heißt auch Verantwortung tragen



Heiligenstadt. Einen guten, erkenntnisreichen Abend hatte Dario Pizzano, Moderator des Eichsfeldforums, den Besuchern am Donnerstag im Marcel-Callo-Haus gewünscht und dabei angemerkt: Die Frage „Was ist denn das für ein Thema?“ sei ihm zuvor mehr als einmal gestellt worden. Gefragt, dafür und dagegen gesprochen, laut nachgedacht wurde in der dem anspruchsvollen Vortrag folgenden Diskussion im vollbesetzten Saal lange und ausgiebig. „Wir müssten eigentlich ein Semester miteinander verbringen“, räumte Prof. em. Dr. phil. Jörg Splett aus Offenbach, Philosophisch-Theologische Hochschule St. Georgen Frankfurt/M., hinsichtlich seines Vortrages ein. Der zu Überlegungen und Widerspruch auffordernde Titel lautete: „Hätte Pontius Pilatus Jesus auch freisprechen können?“ 

Mit den Worten „Die schwierigsten Fragen sind die, von denen wir meinen, sie wären dumm“, hatte der Professor, der zu den bedeutendsten Religionsphilosophen der Gegenwart zählt, zur Diskussion ermuntert. Eine Formulierung, die es verdient, unbedingt noch häufiger als bisher bei einem Gedankenaustausch berücksichtigt zu werden. Er ging u.a. den  Fragen nach: „Wie lässt sich die Vorsehung des allmächtigen Gottes mit der Freiheit des Menschen und der Lebendigkeit der Geschichte zusammen denken? Was ist vorherbestimmt, was liegt in der Entscheidung des Menschen?“ 

Der Gast erläuterte auf wissenschaftlicher Basis, in Verbindung mit Alltagserfahrungen, Begriffe wie Freiheit, Glauben, Allmacht, Zweifel, Gebet, Bitte, Dank und Denken. Seine These, für deren Beweis hier nicht der Platz ist: „Pilatus hätte anders gekonnt, aber Gott wusste, dass er es so macht.“ Gott könne nicht vereinfacht nur als „der liebe Gott“ betrachtet werden; das sei zynisch den Opfern gegenüber, also in vielen Situationen, in denen wir uns fragen, warum Gott so etwas zulassen konnte. Die Freiheit des Menschen zur Verwirklichung seiner Möglichkeiten sei ein Geschenk, wobei Geschenk Gabe und Aufgabe bedeute, dem Einzelnen Aktivität abverlange sowie die Bereitschaft zum positiven Denken und Handeln. 

Ein entscheidender Punkt unserer Freiheit sei das Sich-Ergreifen-Lassen, die Erkenntnis: Gott ist ganz nah bei uns, wir müssen nur hinhören. „Jeder von uns hat mit Gott zu tun“, so Prof. Splett. Alltagstauglich brachte der Wissenschaftler zum Ausdruck, Gott verweise uns auf andere Menschen und das beginne bereits damit, dass wir durch andere auf die Welt gekommen seien. Für seine sehr interessante und des Nachdenkens werte Auffassung, Gott wolle überrascht werden, führte er die Gruppe der Künstler an. Denn besonders Maler, Dichter, Musiker hätten einen Blick für die Frische, für die Neuheit. Er plädierte für Neuübersetzungen griechischer und lateinischer Originaltexte. Das sei dann notwendig, wenn im Laufe der Jahrhunderte in religiösen und philosophischen Werken verwendete Begriffe so in die deutsche Sprache übertragen wurden, dass sie einer heutigen Aktualisierung und Erläuterung bedürften. 

Prof. Splett gab seiner beherzigungswerten Überzeugung Ausdruck: „Wir sind spätabendländische Individualisten, aber wir sind füreinander verantwortlich.“



Christine Bose

Dienstag, 8. Januar 2013

Lese-und Gesprächskreis zum Jahr des Glaubens

Papst Benedikt XVI. hat für die gesamte Kirche am 16.10.2011 ein Jahr des Glaubens ausgerufen.

Dabei lädt er alle Menschen ein, den Glauben an Gott neu zu entdecken, bzw. zu vertiefen.

Das Jahr des Glaubens begann am 11.10.2012 und endet am 24.11.2013. 

In Gemeinschaft den Glauben neu zu entdecken und zu vertiefen, dazu lädt das Bildungswerk des Bistums Erfurt/Region Eichsfeld einmal monatlich in das Marcel Callo Haus ein. 

Gemeinsam werden Texte zum Jahr des Glaubens gelesen, Bibeltexte miteinander geteilt, Erfahrungen ausgetauscht, 
so wollen wir über den Glauben ins Gespräch kommen.


Leitung: Dario Pizzano


Termine sind jeweils Dienstag 19 Uhr
im Marcel Callo Haus, Heilbad Heiligenstadt

       
22.01.2013

19.02.2013

19.03.2013

23.04.2013

28.05.2013

25.06.2013





Familie – ein Auslaufmodell?

Podiumsdiskussion im letzten Eichsfeldforum des Jahres 2012  
 
Heiligenstadt. Ehen werden geschieden. Nicht nur im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens, sondern auch dann, wenn die Kinder erwachsen sind. Längst nicht jedes ehewillige Paar entscheidet sich für den kirchlichen Segen seiner Verbindung. Partner bringen jeweils eigene Kinder in die neue Patchwork-Familie ein. Mütter oder  Väter sind alleinerziehend. Unterschiedliche Formen des Zusammenlebens existieren nebeneinander. Und es sind in Deutschland kontroverse Diskussionen im Gange über familienpolitische Entscheidungen zu den Themen Kitas, Elterngeld, Ehegattensplitting. „Familie – ein Auslaufmodell?“ fragte am Donnerstag Moderator Dario Pizzano angesichts dieser nicht zu leugnenden Tatsachen beim letzten Eichsfeldforum des Jahres 2012 im Marcel-Callo-Haus. 
 
Seine Podiumsgäste hatte er so ausgewählt, dass das Thema, wie er unterstrich, „aus theologischer, psychologischer und soziologischer Sicht“ beleuchtet und diskutiert werden konnte. 
 
Als „sehr pessimistisch“ bezeichnete Prof. Dr. Josef Römelt, Inhaber des Lehrstuhls für Moraltheologie und Ethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt, Mitglied des Redemptoristenordens, die Fragestellung. Der Familienbegriff habe sich im Laufe der Jahrhunderte immer im Wandel befunden. In vielen Köpfen existiere das Ideal der bürgerlichen Familie mit Mutter, Vater, Kindern in einem Haushalt. Als einen Beweis für die Wandlung nannte der Priester das der Vergangenheit angehörende Modell der bäuerlichen Großfamilie mit mehreren Generationen unter einem Dach. In einem solchen Familienverband wurde gemeinsam produziert, Verantwortung für die Ausbildung der Kinder und für die Versorgung der Alten getragen. Heute sei ein regelrechtes Familienmanagement nötig, um überhaupt noch Zeit füreinander zu haben. Doch biete Familie neben materieller Sicherung beispielsweise Geborgenheit. Aus seiner Sicht als Seelsorger seien Ehe und Familie als Lebensform heute riskant, aber wunderbar.
 
Dipl.-Psychologin Ingrid Rasch, die 37 Jahre lang in der katholischen Familienberatungsstelle Köln tätig war, weiß von der „ungeheuren Sehnsucht der Menschen nach dauerhaften Beziehungen“. Sie begrüßt die rechtliche Gleichstellung ehelicher und unehelicher Kinder, wozu es Jahrzehnte gebraucht habe. Nach ihrer Meinung sei die Familie kein Auslaufmodell; ein Auslaufmodell sei hingegen die Auffassung, es gäbe nur eine einzige Familienform. 
 
Ein Plädoyer für die Ehe hielt Jürgen Liminski, Journalist, Publizist, Buchautor aus Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Martine hat er zehn Kinder. Mit dem  Hinweis „Wer heute heiratet, tut dies in der Regel, weil er den künftigen Ehepartner liebt“, leitete er zu der historischen Tatsache über, wonach die Liebesheirat nicht immer zur gesellschaftlichen Norm gehörte. Noch vor 200 Jahren wurden Ehen auch als Zweckgemeinschaften unter ökonomischen Gesichtspunkten geschlossen. Auf die Gegenwart bezogen unterstrich Jürgen Liminski: „Kann er oder sie mich glücklich machen?“ Diese Frage sollte von den Partnern nicht gestellt werden. Viel mehr stehe für das Zusammenleben in Ehe und Familie die Frage im Vordergrund: „Wie kann ich meinen Partner/meine Partnerin glücklich machen?“
 
Christine Bose

Montag, 30. April 2012

Entweltlichung ist kein Rückzug aus der Welt

 
Podiumsdiskussion im Eichsfeldforum zu einem Papstwort

Heiligenstadt.  Er sei ein Alltagschrist. Einer, der nachdenke über den Glauben im Alltag. Jedoch vermöge er nicht, sich Fragen im Zusammenhang mit dem Papstwort der Entweltlichung der Kirche zufriedenstellend zu beantworten. Meinung eines Besuchers des Eichsfeldforums am Donnerstag, das Moderator und Regionalbeauftragter des Bildungswerkes im Bistum Erfurt e.V.  Dario Pizzano am Ende als einen wertvollen Abend bezeichnete. Und dieser Besucher steht offensichtlich mit seiner Meinung nicht allein. Pizzano plädierte dafür, auch weiter über das Thema nachzudenken und zu diskutieren. Über das Thema, das auch missverstanden werde.

 „Entweltlichung – die Antwort der Christen auf die Krise in Europa“ war die Podiumsdiskussion überschrieben, wobei Teil 1 des Bildungsangebotes unter gleicher Überschrift  bereits Ende März im Marcel-Callo-Haus stattgefunden hatte, in Form eines Einzelvortrages von Dr. Martin Kugler, PR-Beauftragter für mehrere große kirchliche Organisationen in Staaten Mitteleuropas. Entweltlichung hatte Papst Benedikt XVI. in seiner Rede am 25. September 2011 im Freiburger Konzerthaus anlässlich seines Deutschlandbesuches gefordert. Nach seinen Worten richte sich die Kirche ein in dieser Welt, was zur Selbstgenügsamkeit führen könne. Anstatt sich auf Strukturen und Organisationen zu konzentrieren, solle sie sich wieder stärker ihrer Religion, ihrem Glauben widmen. 

Allen, die seitdem der scheinbar neue Begriff der Entweltlichung beschäftigt, baute Pater Franz Menke aus dem Heiligenstädter Redemptoristenkloster im Podium eine Brücke der Erinnerung. Von der Entweltlichung habe bereits im Jahr 1941 der evangelische Theologe Rudolf Bultmann gesprochen und nun fordere der Papst im kirchlichen Leben mehr Geist als Struktur, Ämter und Organisation. Als Ordensmann berühren Pater Menke die  Tatsachen, dass sich Getaufte von der Kirche distanzieren oder ein Leben als „Single-Christ“ vorziehen. 

An Dr. Hubert Wissing, Generalsekretariat des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Leiter der AG Kirche und Gesellschaft, mit Sitz in Bonn ergingen aus dem Publikum Auftrag und Bitte, künftig noch mehr und noch besser über Ergebnisse zu informieren, den Stand der Arbeit in die einzelnen Diözesen zu tragen. Das ZdK versteht sich als die Stimme der katholischen Laien, die sich in den Laienräten, in Verbänden, Bewegungen, Initiativen und Organisationen aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft und der Kirche beteiligen. Der Gast aus Bonn ist davon überzeugt, der Papst „sei nicht gekommen, um allen zu gefallen“. Sein Besuch bedeute Stärkung und Herausforderung zugleich, fordere auf zu Auseinandersetzung und Gewissenserforschung. 

Froh, wieder einmal in seiner Heimat Heiligenstadt sein zu können, interpretierte Ordinariatsrat Winfried Weinrich, Leiter des Katholischen Büros Erfurt, das Papstwort: Hier werde kein Rückzug aus der Welt hinter Kirchenmauern und in die Sakristei gefordert, keine Weltflucht und keine Anpassung. Mit der Bereitschaft zum Dialog nehme die Kirche das Recht in Anspruch, politische Entscheidungen einer sittlichen Wertung zu unterziehen.

Dipl. Journ. Christine Bose

Sonntag, 29. April 2012

Eichsfeldforum Podiumdiskussion " Was ist Heimat?"

Die Eichsfelder Initiative für Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit lädt zusammen mit "Eichsfeldforum aktuell" zu einem Vortrags- und Gesprächsabend für Donnerstag, 3. Mai 2012, ins Marcel-Callo-Haus Heiligenstadt ein. Thema: "Was ist Heimat?" Es ist Anliegen der Veranstalter, den Begriff "Heimat" nicht dem Missbrauch durch die NPD zu überlassen, "sondern das Verständnis von Heimat qualifiziert und differenziert in der Öffentlichkeit zu reflektieren und zu vertreten". 

Als Einstieg wird ein Video-Clip zum Heimatverständnis von Eichsfelder Jugendlichen gezeigt. Gedreht hatte den ein Team der Villa Lampe. Maximilian Bosch vom Jugendparlament Heiligenstadt wird es in der Podiumsdiskussion kommentieren. Danach erläutern Landrat Werner Henning und Pfarrer Bernd Winkelmann ihre Vorstellung zum Thema "Was ist Heimat für mich?"

Danach ist die Diskussion auf dem Podium und mit den Gästen, moderiert von Diakon i.R. Johann Freitag. Dario Pizzano vom Eichsfeldforum eröffnet die Runde um 19.30 Uhr.

Donnerstag, 19. April 2012

Eichsfeldforum:„Volkskrankheit Depression – Was tun?“


Großes Besucherinteresse beim Eichsfeldforum im Marcel-Callo-Haus

Heiligenstadt.  

Immer auf der Siegerseite stehen, denn: Wer nicht siegt, ist nicht gut. Nur ja nicht verlieren, Verlierer werden nicht gebraucht. Das fängt so im Kindergarten an und setzt sich fort bis ins hohe Alter. In unserer (Spaß)Gesellschaft ist kein Platz für Negatives. Es hat sich ein solcher Wandel vollzogen, dass viele Menschen davon ausgehen, Leid und Leiderfahrungen sollten „weggemacht“ werden. 

So am Donnerstag im Marcel-Callo-Haus die Experteneinschätzung des gegenwärtigen Erscheinungsbildes der  Gesellschaft. Die Jahresstatistiken deutscher Krankenkassen machen auf ein Ansteigen von Erkrankungen mit psychischen Störungen aufmerksam, auf der Grundlage einer veränderten Arbeitswelt, der damit einhergehenden „Arbeitsverdichtung“ und Überforderung. Die Weltgesundheitsorganisation hat Depressionen zur Volkskrankheit erklärt. Was keine Krankenkassenstatistik zu erfassen vermag ist das Mitleiden der engsten Angehörigen. Die fragen sich oft hilflos und über lange Zeit, wie sie mit einer solchen Krankheit eines ihnen nahestehenden Menschen umgehen sollen, die schon den römischen Gelehrten Cicero (106 - 43 v.Chr.) einst beschäftigte und der ihr den Namen Melancholie gab. „Volkskrankheit Depression – Was tun? Psychotherapie und Seelsorge im Gespräch“. 

Der Titel der Podiumsdiskussion und die Aussicht, mehr zu erfahren über eine Zusammenarbeit zwischen Psychotherapie und Seelsorge hatte am Donnerstag die Zuhörer ins Eichsfeldforum strömen lassen. Dort sprachen Prof. Dr. Michael Dieterich, Institut für Praktische Psychologie Freudenstadt im Schwarzwald sowie Lee University Cleveland/Tennessee. Mit seiner Frau gemeinsam baute er 1987 die Deutsche Gesellschaft für Biblisch-Therapeutische Seelsorge auf. Im Podium diskutierten ebenfalls Dipl.-Psychologe Dr. Klaus Jost, Fachpsychologe für klinische Psychologie, Seligenstadt am Main und Domkapitular Gregor Arndt, Seelsorgeamtsleiter im Bistum Erfurt und Verantwortlicher für die Krankenhausseelsorge im Bistum. 

Alsbald wurde den Besuchern des Eichsfeldforums deutlich: Es gibt kein einheitliches Bild der Depression, weil jeder Mensch anders reagiert. Die meisten Depressionen sind „multistrukturell“. Ihre Ursachen sind zu suchen in psychischen Faktoren (Persönlichkeitsfaktoren), sozialen, biologischen (genetische Komponente) und Entwicklungsfaktoren. Das Gefühl beim morgendlichen Aufwachen, heute ist nicht mein Tag, stellt kein Symptom für eine Krankheit dar und ist keinesfalls  gleichzusetzen mit einer schweren Depression, bei der es den Betroffenen mitunter noch nicht einmal mehr gelingt, das Bett zu verlassen. Als Möglichkeiten, einer depressiven Erkrankung zu begegnen, wurden die drei Stichworte „Medikamente, Lernprozesse und Glauben“ herausgearbeitet, darin eingeschlossen die Gespräche. 

Der Glaube, so wurde betont, sei eine Chance und ein ganz großartiges Hilfsmittel, um in einer Depression zu überleben, ohne für die Behandlung notwendige Medikamente abzulehnen. Im christlichen Sinne sei nicht der Aschermittwoch das Ende, sondern Ostern der Neuanfang.

Christine Bose

Montag, 30. Januar 2012

Eichsfeldforum: Lebenshilfe auch für Menschen ohne akademische Bildung

Foto: Christine Bose
Prof. Dr. Berthold Wald machte bekannt mit Biographie und Werk Josef Piepers 

Heiligenstadt. Er war einer der bekanntesten christlichen Philosophen des 20. Jahrhunderts und er gilt als ein exzellenter Erzähler - Josef Pieper, geboren am 4. Mai 1904 in Elte bei Rheine/Münsterland, gestorben am 6. November 1997 in Münster. Seine mehr als 50 Bücher wurden in über 20 Sprachen übersetzt. Päpste und hochrangige Politiker, Generationen von Philosophie und - Theologiestudenten schätzten und schätzen die Person und das Werk Piepers. Das Besondere: Seinen Büchern wird bescheinigt, sich in einer lebendigen und gut verständlichen Sprache auch an Menschen ohne akademische Bildung zu wenden, ja ihnen Lebenshilfe zu geben. Er lehrte in Essen und Münster, zahlreiche Gastprofessuren führten ihn durch die ganze Welt. 


Prof. Dr. phil. Berthold Wald, Lehrstuhl für Systematische Philosophie an der Theologischen Fakultät Paderborn und Schüler Josef Piepers, ist der Experte für dessen Gesamtwerk. Dieser persönliche Bezug machte seinen Vortrag am Donnerstag, 19. Januar 2012,  im Marcel-Callo-Haus noch spannender und individueller als das bloße Referieren über eine Persönlichkeit und ihr Werk aus reiner Faktenkenntnis. „Was ist ein gelingendes Leben? Josef Pieper über das christliche Menschenbild“ war der Auftaktabend des Eichsfeldforums 2012 überschrieben. 

Bereits die Einladung wies die Besucher darauf hin, dass das christliche Menschenbild in seiner ursprünglichen Bedeutung an die Würde des Menschen und an den richtigen Gebrauch der menschlichen Freiheit für ein gutes Leben erinnert. Jedoch sei jenes Bild weithin zu einer „Leerformel im politischen Diskurs“ geworden. 

Prof. Berthold Wald sah seinen Vortrag auch als eine Einführung in das Denken Josef Piepers. Überrascht zeigte sich der Referent über den vollen Saal, hatte er doch mit so viel Interesse nicht gerechnet. Interesse und Wissbegier hielten in der dem Vortrag folgenden Diskussion an. Piepers Maxime „Die Leute da erreichen, wo man sie antrifft“, erklärt die Nutzung der für ihn seinerzeit neuen Medien Rundfunk und Fernsehen. Pieper wurde und wird, so der Gast aus Paderborn, mit seinem klaren katholischen Standpunkt ebenso gelesen von evangelischen Christen. Als ein Beispiel führte Prof. Wald den evangelischen Theologen Dietrich  Bonhoeffer (1906-1945) an. Von Kardinal Karl Lehmann wusste Prof. Wald zu berichten, er habe als Pennäler sein Taschengeld zusammengespart, um sich wieder ein Bändchen aus der Feder Josef Piepers leisten zu können. 

Bei aller Vielfalt – und das klang sowohl in der Diskussion, als auch in sich  anschließenden einzelnen Gesprächen an – wäre es wünschenswert gewesen, noch viel mehr ganz konkrete Äußerungen als Antwort auf die Frage „Was ist ein gelingendes Leben?“ zu erfahren. Doch vermag verständlicherweise ein Abend nicht alle (Bildungs)Wünsche zu einem schier unerschöpflichen Thema zu erfüllen. Professor Wald hatte deshalb am Ende seiner  Ausführungen treffend den Begriff „gießkannenartig“ gewählt. Josef Pieper habe mit seinem Werk nach Meinung seines Schülers die Lust am philosophischen Denken geweckt, mit einer guten, reichen Sprache – nicht nur für Philosophen. Für die einen war der Abend Anstoß, sich wieder einmal mit Josef Pieper zu befassen, für die anderen Aufforderung, eines seiner Bücher erstmals zur Hand zu nehmen, um es nicht so schnell wieder wegzulegen.

Dipl. Journ.Christine Bose


Dienstag, 6. Dezember 2011

Ausstellung "Mutter Teresa - Spiritualität in Bild und Text"

"Mutter Teresa - Spiritualität in Bild und Text" im Marcel Callo Haus in Heilbad Heiligenstadt

Internationale Hilfswerk missio & das Marcel Callo Haus präsentieren Ausstellung von Karl-Heinz Melters


Sie galt als Engel der Armen. Am 26. August 2010 hätte Mutter Teresa ihren 100. Geburtstag gefeiert. Auch über zehn Jahre nach ihrem Tod ist Mutter Teresa in den Köpfen der Menschen präsent und wird für ihren unermüdlichen Einsatz für andere bewundert. Fragt man nach Vorbildern, nennt jeder Zweite Mutter Teresa. Unvergleichbar praktizierte sie die Nächstenliebe. Dabei gab ihr der tiefe Glaube an Gott die Kraft, auch in schwierigen Situationen weiter zu machen.

Im Jahr 1979 erhielt sie für ihr Wirken den Friedensnobelpreis. Bis zu ihrem Tod am 5. September 1997 in Kalkutta gab sie sich ganz den Armen hin. Fünf Jahre nach ihrem Tod sprach Papst Johannes Paul II. sie selig.


„Am meisten beeindruckt hat mich ihr unerschütterlicher Glaube“, berichtet der ehemalige missio-Fotograf Karl-Heinz Melters. Auf seinen Reisen traf er Mutter Teresa mehrere Male und erlebte die Ordensschwester hautnah. Ein Privileg, das nicht vielen zuteil wurde, denn die bescheidene Frau ließ sich nicht gerne fotografieren. 

In einer Ausstellung vom 07.-18.12.2011 präsentiert missio ausgewählte Bilder des Fotografen mit Gebetstexten von Mutter Teresa im Heiligenstädter Marcel Callo Haus.

Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen.

Montag, 5. Dezember 2011

Eichsfeldforum mit Vortrag von Michael Ragg zur katholischen Kirche in der asiatischen Volksrepublik



Christentum bringt die Entwicklung Chinas voran                               



Heiligenstadt. Es gehört dazu, dass sich auch nach der Diskussion und dem offiziellen Ende einer Veranstaltung des Eichsfeldforums im Marcel-Callo-Haus, dem katholischen Jugend- und Erwachsenenbildungshaus, Interessenten an die Referenten wenden. Der Wunsch, ein kurzes Einzelgespräch zu führen und auf noch mehr Fragen eine profunde Antwort zu erhalten, war nach Michael Raggs Vortrag im November besonders groß. Reisen führen den Journalisten aus München nach China und Taiwan. Michael Ragg ist Radio- und Fernsehmoderator, Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders K-TV, Organisator von Informationsveranstaltungen und Kongressen, Leiter der Agentur „Ragg’s Domspatz“, mit der „Domspatz-Soirée – Der christliche Salon in München“ als ständigem Treffpunkt zur Kulturförderung.  

In Heiligenstadt sprach er zum Thema „Kirche global – Katholische Kirche in der Volksrepublik China“, wobei sein mit Fotos illustrierter Vortrag auch Informationen zur in diesem asiatischen Land ebenfalls präsenten evangelischen Kirche enthielt. Die beiden christlichen Kirchen machen die gegenwärtig am schnellsten wachsenden Religionsgemeinschaften des Landes aus, dessen Menschen immer noch traumatisiert sind von den unvorstellbaren Schandtaten des kommunistischen Diktators Mao-Tse-tung (1893-1976), auf dessen Konto der Tod von 70 Millionen Menschen geht. Während seiner Herrschaft von 1949 bis 1976 hatte er sich die erzwungenen Kirchenaustritte, die Verfolgung religiöser Menschen und Intellektueller auf seine Fahnen geschrieben, bis hin zur physischen Vernichtung. Stichwort: Die Große Proletarische Kulturrevolution. Unter dem Gesichtspunkt, dass das Christentum als der Motor der Wissenschaft, Kultur und Bildung gilt, ist namentlich an den Universitäten eine wachsende Zuwendung zur katholischen, aber auch evangelischen Religion zu verzeichnen.

Andererseits wird als ein Massenphänomen verzeichnet, dass viele wenig begüterte Menschen, die sich Arztbesuche und Medizin nicht leisten können, Heilung im Christentum, im Gebet suchen. Äußerlich künden Kirchenneubauten von den Veränderungen. Gegenwärtig gebe es  – so Michael Ragg – landesweit eine große Wertediskussion, die sich besonders mit der dringenden Forderung nach mehr Nächstenliebe befasst. Denn während der Gedanke der Nächstenliebe in den chinesischen Familien präsent und selbstverständlich ist, mangelt es daran in der Gesellschaft. Hier seien, so der Gast aus München, die sozialen Verwerfungen riesig. „Unsere Gesellschaft ist so kalt geworden“, zitierte er die Meinung einer Chinesin.

Als ein Fazit unterstrich Michael Ragg, das Christentum bringe die Entwicklung in China voran, die Christen seien gewaltig auf dem Vormarsch. Im Vatikan ist eine China-Kommission tätig. Besonderes seit Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007 den 24. Mai als Weltgebetstag für die Kirche in China nannte, der erstmals 2008 stattfand, fühlen sich dort die asiatischen Katholiken bestärkt. In Stadt und Land, sonntags und an Wochentagen, so erzählte der Journalist, habe er stets „volle Kirchen“ gesehen. Einen kleinen Unterschied zur katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland konnten die Besucher im Marcel-Callo-Haus anhand eines Fotos registrieren: In China halten sich die Christen beim Beten des Vaterunser an den Händen.

Dipl. Journ. Christine Bose

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Senegal-Das Engagement der Kirche in einem muslimischen Land




Im Fokus der diesjährigen missio-Aktion im Monat der Weltmission (WMS) steht der interreligiöse Dialog zwischen Christen und Muslimen im westlichsten Land Afrikas: Im Senegal bekennen sich rund 95 Prozent der Einwohner zum Islam, die friedlich mit der christlichen Bevölkerung zusammen leben.


Der WMS wird offiziell am Sonntag, 2. Oktober 2011 in Hamburg eröffnet. Auf Einladung von missio erzählen Geistliche und Ordensschwestern aus dem Senegal in bundesweit rund 300 Veranstaltungen von der Not in ihrer Heimat und berichten über Erfolge ihrer Arbeit.  


Zu Gast im Bistum Erfurt ist vom 16.10.2011-23.10.2011 im Dekanat Heiligenstadt Frau Agnes Yoba*. Sie wird in dieser Woche in vielen Gemeinden und Institutionen im Eichsfeld von Ihren Erfahrungen berichten.

„Mit knapp 650.000 Gläubigen stellen die Katholiken nur knapp fünf Prozent der senegalesischen Bevölkerung. Trotz ihrer Minderheitensituation übt die katholische Kirche insbesondere über das Schul- und Bildungssystem und ihre Gesundheitseinrichtungen einen großen gesellschaftlichen Einfluss aus" erklärt Dario Pizzano, missio-Diözesanreferent im Bistum Erfurt zur Eröffnung der Aktion im Monat der Weltmission 2011.
  

Der WMS wird jedes Jahr im Oktober gefeiert und ist die größte Solidaritätsaktion der katholischen Kirche. Mit den Einnahmen der international durchgeführten Kollekte am Sonntag der Weltmission werden die ärmsten Diözesen der Welt unterstützt.



WMS Gast Agnès Yoba  

Geboren am 19.01. 1974 in Bobo Dioulasso.

Am 04. Oktober 1999 ist sie dem Foyer Clair Logis beigetreten.Sie hat 6 Jahre in der Mission in Burkina Faso gearbeitet und ist seit 2005 wieder im Senegal.

Fragebogen:



1. Beschreiben Sie bitte Ihre aktuelle Arbeit
Gegenwärtig bin ich eine „geweihte Lain“, die zur Familie der Claire Amitié gehört. Ich kümmere mich um Mädchen und junge Frauen, die benachteiligt sind auf verschiedenen Ebenen, finanziell, intellektuell, moralisch und spirituell. Sie sind zwischen 14 und 25 Jahre alt, in der Regel nicht in der Schule gewesen oder von der Schule geflogen. Sie erhalten hier im Diözesanzentrum von Kolda eine integrale Ausbildung, die ihnen die Möglichkeit gibt, ihren Platz in der Familie und in der Gesellschaft zu finden. Diese Ausbildung konzentriert sich auf folgende Punkte:

  • Die menschliche und intellektuelle Ausbildung: Alphabetisierungskurse, Informatik, Buchhaltung, Haushaltswirtschaft.
  • Die praktische Ausbildung: Friseurhandwerk, Schneiderei, Kunsthandwerk, Stickerei. Diese Ausbildungen ermöglichen ihnen später sich evtl. selbstständig zu machen, um ein eigenes Einkommen zu erwerben.

  • Die spirituelle Ausbildung: Katechese und Wertevermittlung. Es geht darum, dass sie in guter Beziehung zu Gott und zum Nächsten leben.

  • Kulturelle Ausbildung: Ausbildung in traditionellen Tänzen, in Theater. Es geht darum, sich selbst auszudrücken zu lernen und das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken.

Ich gehöre zur nationalen Vereinigung zur Förderung der Frauen und diese Organisation hat sich zum Ziel gesetzt das Selbstwertgefühl der Frauen zu stärken.

2. Was ist nach Ihrer Erfahrung die wichtigste der Kirche im Senegal?
Nach meiner Erfahrung ist die wichtigste Aufgabe der Kirche im Senegal die Ausbildung. Und zwar sowohl das (praktische) Wissen, als auch die Vermittlung von christlichen Werten. Viele Führungskräfte in unserem Land haben eine Ausbildung in einer katholischen Schule erhalten. Wenn man sie fragt sind alle dankbar, dass sie so eine gute Ausbildung erhalten haben. Auch deshalb sind die katholischen Schulen so geschätzt. Insofern spielt die Kirche in der senegalesischen Gesellschaft trotz ihrer zahlenmäßige Minderheit eine wichtige Rolle. Kirche im Senegal ist wie ein „Sauerteig“. Ich glaube das ist das beste Mittel der Evangelisierung.

3. Ein typisches senegalesisches Sprichwort
Ich möchte keine Sprichwort nennen, aber ein Wort, das in unserer Kultur eine hohe Bedeutung hat. Es ist „La Téranga“. Dieses Wort bedeutet Gastfreundschaft. Offenheit des Herzens und des Hauses für jede Person, die man trifft. Das ist wahr, wenn du in den Senegal kommst, bist du nicht ausserhalb. Selbst wenn du keinen kennst. Du wirst Familien finden, die dich empfangen, beherbergen und etwas zu essen geben. Die Gastfreundschaft „Téranga“ ist ein fundamentaler Wert, der für jeden Senegalesen gleich welcher Herkunft und Religion gilt. Durch die Globalisierung laufen wir gegenwärtig Gefahr, diesen unseren Wert zu verlieren.

4. Welches Leitwort aus der Bibel begleitet Sie durch Ihr Leben?
„Alles, was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan.“In unserer Gesellschaft heute ist es so, dass wenn du kein Geld hast und kein Diplom bist du nicht angesehen bei den Menschen. Nicht mal in der eigenen Familie zählt dann dein Wort. Für mich ist die Arbeit mit den jungen Frauen, die kein Diplom haben, die keinen finanziellen Erwerb haben ganz wichtig. Diesen Frauen ein Selbstwertgefühl zu geben, ihnen zu zeigen, dass sie wie andere Frauen ihres Alters auch eine Möglichkeit haben zur Schule zu gehen und eine Ausbildung zu erhalten und später einen Beruf erwerben können. Das ist eine Aufgabe, die mich erfüllt.

Ich glaube, dass Gott sich in mir dadurch zeigt durch die Menschen, die mir anvertraut sind. Ich spüre eine tiefe innere Freude, die Gegenwart Gottes in mir, wenn eine junge Frau, die ich begleitet habe, einen neue Perspektive erhält und glücklich ist.

5. Was bedeutet „Mission im senegalesischen Kontext?
Für mich bedeutet Mission im senegalesischen Kontext mit Gott jeden Tag zu leben. Die Talente, die man von ihm erhalten hat, einzusetzen, um den Nächsten mit Liebe zu dienen.