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Donnerstag, 19. April 2012

Eichsfeldforum:„Volkskrankheit Depression – Was tun?“


Großes Besucherinteresse beim Eichsfeldforum im Marcel-Callo-Haus

Heiligenstadt.  

Immer auf der Siegerseite stehen, denn: Wer nicht siegt, ist nicht gut. Nur ja nicht verlieren, Verlierer werden nicht gebraucht. Das fängt so im Kindergarten an und setzt sich fort bis ins hohe Alter. In unserer (Spaß)Gesellschaft ist kein Platz für Negatives. Es hat sich ein solcher Wandel vollzogen, dass viele Menschen davon ausgehen, Leid und Leiderfahrungen sollten „weggemacht“ werden. 

So am Donnerstag im Marcel-Callo-Haus die Experteneinschätzung des gegenwärtigen Erscheinungsbildes der  Gesellschaft. Die Jahresstatistiken deutscher Krankenkassen machen auf ein Ansteigen von Erkrankungen mit psychischen Störungen aufmerksam, auf der Grundlage einer veränderten Arbeitswelt, der damit einhergehenden „Arbeitsverdichtung“ und Überforderung. Die Weltgesundheitsorganisation hat Depressionen zur Volkskrankheit erklärt. Was keine Krankenkassenstatistik zu erfassen vermag ist das Mitleiden der engsten Angehörigen. Die fragen sich oft hilflos und über lange Zeit, wie sie mit einer solchen Krankheit eines ihnen nahestehenden Menschen umgehen sollen, die schon den römischen Gelehrten Cicero (106 - 43 v.Chr.) einst beschäftigte und der ihr den Namen Melancholie gab. „Volkskrankheit Depression – Was tun? Psychotherapie und Seelsorge im Gespräch“. 

Der Titel der Podiumsdiskussion und die Aussicht, mehr zu erfahren über eine Zusammenarbeit zwischen Psychotherapie und Seelsorge hatte am Donnerstag die Zuhörer ins Eichsfeldforum strömen lassen. Dort sprachen Prof. Dr. Michael Dieterich, Institut für Praktische Psychologie Freudenstadt im Schwarzwald sowie Lee University Cleveland/Tennessee. Mit seiner Frau gemeinsam baute er 1987 die Deutsche Gesellschaft für Biblisch-Therapeutische Seelsorge auf. Im Podium diskutierten ebenfalls Dipl.-Psychologe Dr. Klaus Jost, Fachpsychologe für klinische Psychologie, Seligenstadt am Main und Domkapitular Gregor Arndt, Seelsorgeamtsleiter im Bistum Erfurt und Verantwortlicher für die Krankenhausseelsorge im Bistum. 

Alsbald wurde den Besuchern des Eichsfeldforums deutlich: Es gibt kein einheitliches Bild der Depression, weil jeder Mensch anders reagiert. Die meisten Depressionen sind „multistrukturell“. Ihre Ursachen sind zu suchen in psychischen Faktoren (Persönlichkeitsfaktoren), sozialen, biologischen (genetische Komponente) und Entwicklungsfaktoren. Das Gefühl beim morgendlichen Aufwachen, heute ist nicht mein Tag, stellt kein Symptom für eine Krankheit dar und ist keinesfalls  gleichzusetzen mit einer schweren Depression, bei der es den Betroffenen mitunter noch nicht einmal mehr gelingt, das Bett zu verlassen. Als Möglichkeiten, einer depressiven Erkrankung zu begegnen, wurden die drei Stichworte „Medikamente, Lernprozesse und Glauben“ herausgearbeitet, darin eingeschlossen die Gespräche. 

Der Glaube, so wurde betont, sei eine Chance und ein ganz großartiges Hilfsmittel, um in einer Depression zu überleben, ohne für die Behandlung notwendige Medikamente abzulehnen. Im christlichen Sinne sei nicht der Aschermittwoch das Ende, sondern Ostern der Neuanfang.

Christine Bose

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