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Montag, 6. Oktober 2014

Pressebericht zur Podiumsdiskussion im BOXKINO Leinefelde


Jugendkriminalität – Wege aus der Spirale der Gewalt 
 von Gregor Mühlhaus

 
Auf seinem T– Shirt steht der Schriftzug „Ich will ein Leuchtturm sein“. Der Mann, der es trägt ist groß und kräftig. Holger Stitz ist einer von drei Podiumsteilnehmern, die kürzlich im Rahmen des Eichsfeld - Forums im Boxkino in Leinefelde über das Thema

„Jugendkriminalität – Wege aus der Spirale der Gewalt“ sprachen.

Bilder von prügelnden Jugendlichen in Großstädten, Tritte auf wehrlose Menschen in U-Bahn Stationen, Gewaltexzesse, die mit Handys gefilmt, den Weg in die sozialen Netzwerke finden, Diebstahl und Drogeneskapaden. Ist das das reale Bild der Jugend von heute?

Dieser Frage stellten sich im abendlichen Diskurs weiterhin Anabel Taefi, Diplomsoziologin aus Münster und Pfarrer Markus Könen aus Heiligenstadt. So berichtete Gastdozentin Anabel Taefi  von ihrer Arbeit mit straffälligen Jugendlichen und unterstrich die Notwendigkeit von Angeboten wie dem Boxkino. Bei allen Sorgen wies sie darauf hin, dass entgegen der landläufigen Meinung, die Jugendkriminalität würde immer mehr ansteigen, eher ein Rückgang zu beobachten sei. „Das belegen Zahlen, Studien und Statistiken“, so die Doktorandin am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen.

Die Wahrheit sei, dass es einen Medienpopulismus gebe und die Menschen gezielt auf Straftaten Jugendlicher aufmerksam gemacht würden. „Schon seit Jahren sinkt die allgemeine Gewaltakzeptanz in der Bevölkerung“, so die Diplomsoziologin weiter. Es sei allerdings ein Anstieg bei Bagatelldelikten zu verzeichnen.

Holger Stitz ist Leiter des Boxkinos in Leinefelde. Er selbst wurde, wie er sagte, früher gehänselt, weil er sportlich nicht gerade begabt war. Dann wurde er auf das Boxen aufmerksam, das ihn inspirierte, aufrüttelte und ihm half an sich zu glauben.

Stitz beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit straffälligen Jugendlichen und sieht  Einrichtungen wie das Boxkino, in dem Sport getrieben und gleichzeitig Sozialarbeit geleistet wird, als eminent wichtig an.  Die Hauptverantwortung bei der kindlichen Erziehung machte er in erster Linie bei Vater und Mutter aus. Heutzutage seien die Kinder in ihrem Lebensgefüge oft hin und hergerissen, sagte der Pädagoge. „Hier im Boxkino erfahren die Kinder und Jugendlichen Aufmerksamkeit und Geborgenheit. Aber was ist, wenn sie nach Hause kommen und der Vater bekifft auf dem Sofa liegt?“, so Stitz über die negative Vorbildwirkungen der Eltern. Spätestens dann stellten sich die Kinder die Frage: „Was ist denn nun eigentlich im Leben das Richtige?“  

Schulpfarrer Markus Könen vom Berggymnasium in Heiligenstadt sprach von „einigen verlogene Diskussionen“, die auf politischer Ebene stattfänden.  Auch er warnte vor zu großem Populismus.

Man müsse nicht überdramatisieren, so der Geistliche. Trotzdem machte Könen unmissverständlich deutlich: „Es gibt natürlich Probleme, die die Kinder mit in die Schule bringen.  Ein Jugendlicher, den wir momentan begleiten, wird im Elternhaus verbal tyrannisiert, weil er den Vorstellungen seines Vaters nicht entspricht“. Das sei auch Gewalt,  mit der man sich auseinander setzen müsse. „Die Kinder und Jugendlichen können nichts dafür in welche Welt sie hineingeboren werden. Wir als Zivilisation machen die Menschen schließlich zu dem was sie sind“, betonte Könen. Das Effektivste bei der Betreuung der jungen Heranwachsenden seien solche Projekte wie das Boxkino, von denen man viel mehr brauche. Unerlässlich jedoch sei ein großes Netzwerk von Bildungszentrem im Allgemeinen, betonte Könen nachdrücklich.

Ein gutes Beispiel wie Sozialarbeit mit Jugendlichen gut funktioniert, ist Julian, der seit 18 Monaten im Boxkino trainiert. Früher war der heute Zwölfjährige übergewichtig. „Irgendwann kam ich zu Holger und zum Boxen. Hier habe ich gespürt, dass jemand an mich glaubt“, so der Schüler.

 

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