Jugendkriminalität – Wege aus
der Spirale der Gewalt
„Jugendkriminalität – Wege
aus der Spirale der Gewalt“ sprachen.
Bilder von prügelnden
Jugendlichen in Großstädten, Tritte auf wehrlose Menschen in U-Bahn Stationen, Gewaltexzesse,
die mit Handys gefilmt, den Weg in die sozialen Netzwerke finden, Diebstahl und
Drogeneskapaden. Ist das das reale Bild der Jugend von heute?
Dieser Frage stellten sich im
abendlichen Diskurs weiterhin Anabel Taefi, Diplomsoziologin aus Münster und
Pfarrer Markus Könen aus Heiligenstadt. So berichtete Gastdozentin Anabel
Taefi von ihrer Arbeit mit straffälligen
Jugendlichen und unterstrich die Notwendigkeit von Angeboten wie dem Boxkino.
Bei allen Sorgen wies sie darauf hin, dass entgegen der landläufigen Meinung, die
Jugendkriminalität würde immer mehr ansteigen, eher ein Rückgang zu beobachten
sei. „Das belegen Zahlen, Studien und Statistiken“, so die Doktorandin am
Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen.
Die Wahrheit sei, dass es
einen Medienpopulismus gebe und die Menschen gezielt auf Straftaten
Jugendlicher aufmerksam gemacht würden. „Schon seit Jahren sinkt die allgemeine
Gewaltakzeptanz in der Bevölkerung“, so die Diplomsoziologin weiter. Es sei
allerdings ein Anstieg bei Bagatelldelikten zu verzeichnen.
Stitz beschäftigt sich seit
Jahren intensiv mit straffälligen Jugendlichen und sieht Einrichtungen wie das Boxkino, in dem Sport
getrieben und gleichzeitig Sozialarbeit geleistet wird, als eminent wichtig an.
Die Hauptverantwortung bei der
kindlichen Erziehung machte er in erster Linie bei Vater und Mutter aus. Heutzutage
seien die Kinder in ihrem Lebensgefüge oft hin und hergerissen, sagte der
Pädagoge. „Hier im Boxkino erfahren die Kinder und Jugendlichen Aufmerksamkeit
und Geborgenheit. Aber was ist, wenn sie nach Hause kommen und der Vater bekifft
auf dem Sofa liegt?“, so Stitz über die negative Vorbildwirkungen der Eltern.
Spätestens dann stellten sich die Kinder die Frage: „Was ist denn nun
eigentlich im Leben das Richtige?“
Schulpfarrer Markus Könen vom
Berggymnasium in Heiligenstadt sprach von „einigen verlogene Diskussionen“, die
auf politischer Ebene stattfänden. Auch
er warnte vor zu großem Populismus.
Man müsse nicht überdramatisieren,
so der Geistliche. Trotzdem machte Könen unmissverständlich deutlich: „Es gibt
natürlich Probleme, die die Kinder mit in die Schule bringen. Ein Jugendlicher, den wir momentan begleiten,
wird im Elternhaus verbal tyrannisiert, weil er den Vorstellungen seines Vaters
nicht entspricht“. Das sei auch Gewalt, mit der man sich auseinander setzen müsse.
„Die Kinder und Jugendlichen können nichts dafür in welche Welt sie
hineingeboren werden. Wir als Zivilisation machen die Menschen schließlich zu
dem was sie sind“, betonte Könen. Das Effektivste bei der Betreuung der jungen
Heranwachsenden seien solche Projekte wie das Boxkino, von denen man viel mehr
brauche. Unerlässlich jedoch sei ein großes Netzwerk von Bildungszentrem im
Allgemeinen, betonte Könen nachdrücklich.
Ein gutes Beispiel wie
Sozialarbeit mit Jugendlichen gut funktioniert, ist Julian, der seit 18 Monaten
im Boxkino trainiert. Früher war der heute Zwölfjährige übergewichtig.
„Irgendwann kam ich zu Holger und zum Boxen. Hier habe ich gespürt, dass jemand
an mich glaubt“, so der Schüler.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen