Glaube. Bildung. Leben .

HERZLICH WILLKOMMEN AUF DIESEM BLOG

Sonntag, 28. September 2014

Presseartikel TLZ Eichsfeldforum "Wohin ist Gott?"



Gott nicht nur den „Profis“ überlassen


Säkularisierung als Thema des Eichsfeldforums mit Prof. Dr. Maria Widl



Heiligenstadt.  Nach einer schweren Krankheit kehrt ein Mensch in den Alltag zurück. Seine Begründungen für die Genesung, geäußert in Gesprächen mit Angehörigen,  Freunden, Kollegen: Gesund wurde er dank der Ärzte und Krankenschwestern, der voranschreitenden medizinischen Forschung, der Pharmaindustrie mit ihren hervorragenden Medikamenten, dem hilfsbereiten Zur-Seite-Stehen seiner Familie. Aber gab es da vielleicht doch noch etwas anderes?

 „Gott kommt in den meisten Kommentaren nicht vor, mit ihm wird nicht gerechnet“, unterstrich am Donnerstag im Eichsfeldforum Prof. Dr. Maria Widl, Pastoraltheologin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Ihr Thema, für das sie im Marcel-Callo-Haus mit minutenlangem Beifall belohnt wurde: „Wohin ist Gott? Säkularisierung als Zeichen der Herausforderung“. 

In den Industriestaaten verschwinden Religion und Glaubenspraxis zunehmend aus der Öffentlichkeit. Folge der Säkularisierung (Verweltlichung) , die einhergeht mit der Vernunft im Vordergrund, dem Lösen religiöser Bindungen, der Zuwendung der Menschen zum Materiellen, zu toten Dingen. „Wie oft haben Sie heute an Gott gedacht?“ lautete eine Frage der Religionswissenschaftlerin an die fasziniert zuhörenden Besucher. Eine Antwort an Ort und Stelle erwartete sie nicht bei ihrem Anstoß zum Nachdenken. 

Bewusst provozierend überhöht klangen ihre Worte, mit denen sie aktuelle gesellschaftliche Erscheinungen charakterisierte: Die Technik schreitet ständig voran. Was brauchen wir den Wettersegen? Wir haben Kunstdünger! Am Sonntag gibt’s Fußball, keinen Gottesdienst. Die Kirche ist ein Verein wie viele andere auch und ich kann als moderner, aufgeklärter Mensch frei entscheiden, ob ich mir ein kulturelles Erlebnis in der Kirche gönne, einen Kino- oder Theaterbesuch. Freilich gibt es da ein paar schwache Menschen, für die der Glaube etwas Gutes bedeutet. Manche junge Eltern, selbst weit entfernt von Gott, wollen sogar ihr Baby taufen lassen mit der erklärten Absicht, für das Kind eben alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die diese Gesellschaft bietet. 

Als typisch für die moderne Kultur nannte Prof. Dr. Widl die Tatsache, dass wir uns viel zu sehr mit dem beschäftigen, was wir selber erledigen und beeinflussen können. Beim dem Gefühl, immer mehr Herr der Lage zu sein, ist kein Platz für Suche nach Gottes Spuren.  „Wir haben eine ambivalente Kultur“, betonte die Referentin und hatte für dieses Nebeneinander von Gegensätzen lebensnahe Beispiele parat: Atheisten, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, würden häufig vergessen oder nicht wissen: Diese Menschenrechte beruhen auf dem Erbe des Christentums. 

Bei Umfrageergebnissen zu sozialen Themen stehe die Caritas ganz oben, ausgewählt und geschätzt auch von Menschen, denen Christsein nichts bedeutet. Christen als Teil der säkularen Kultur komme die Aufgabe zu, Gott ins Spiel zu bringen, wer sollte es sonst tun?! 

Hierfür seien nicht nur die „Profis“ (Zitat Prof. Widl) zuständig, wie Ordensschwestern und Priester. Der Abend hätte eine noch längere, äußerst angeregte Diskussion gebracht, doch musste Prof. Widl den letzten Zug in die Landeshauptstadt erreichen.



Dipl. Journ. Christine Bose

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen