Glaube. Bildung. Leben .

HERZLICH WILLKOMMEN AUF DIESEM BLOG

Mittwoch, 7. Juli 2010

AUF UMWEGEN ZU GOTT Eine mitreißende Lebensgeschichte

AUF UMWEGEN ZU GOTT

Eine mitreißende Lebensgeschichte

exzess-meine-zwei-leben-cover0001

Exzess: Meine zwei Leben
Dario Pizzano
ISBN 978-3-629-02242-4
Exzess: Meine zwei Leben
(”Exzess: Meine zwei Leben” )
Dario Pizzano schildert in „Exzess“ überzeugend ehrlich die zwei Seiten seines Lebens: seine Alkoholexzesse, seine Erfahrungen mit harten Drogen und sein Leben auf der Überholspur, wie auch die allesverändernden religiösen Erfahrungen, die sein Leben zum Guten wenden. Ein sehr authentisches und glaubwürdiges Buch, das gleichzeitig ein Wegweiser in das Leben sein kann.

Pizzanos Weg

Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann arbeitete Pizzano zwölf Jahre erfolgreich als Eventmanager und Clubbetreiber. Insgesamt fünfzehn Jahre lässt er nichts aus: Partys, Drogen, erotische Abenteuer. Er ist stets auf der Suche nach dem nächsten Highlight. Dabei macht ihm jedoch der Erfolgsdruck durch seinen Vater und die ständige Suche nach dessen Anerkennung sehr zu schaffen. Irgendwann fühlt er sich ausgebrannt und leer. Er spürt immer wieder die panische Angst vor dem Tod. Sein Leben entgleitet ihm immer mehr.

Eines Tages liest er ein Buch vom Dalai Lama. Der Gedanke, das Leid der Welt anzunehmen, es zu überwinden und klug daraus zu werden, spricht ihn unvermittelt an. Ebenso die Einstellung, viele Dinge nicht so wichtig zu nehmen, auch den Tod nicht. Pizzano hat das Gefühl, Frieden in seiner Seele gefunden zu haben. Trotzdem kann er die Angst vor dem Tod nicht ablegen. Seine Begründung dafür: „Aber hier wird kein Gott gerufen, der mich hört und der mir hilft. Alle Macht, die im Buddhismus beschworen wird, ist die Macht in mir. Der Tod bedroht mich aber von außen. … die Lektüre hinterlässt Enttäuschung und einen bitteren Nachgeschmack: alles nur Menschenwerk, …“

Pizzano ist also weiter auf der Suche. Sein Interesse an religiösen und philosophischen Fragen ist geweckt. Er sympathisiert mit Nitsche, Kant und Platon, weil auch sie sich ehrliche Gedanken um den Sinn des Daseins machen. Aber so richtig bringt ihn auch diese Sichtweise vom Leben nicht weiter. Zwei weitere Ereignisse machen Pizzano in der folgenden Zeit sehr zu schaffen. Eine neue Geschäftsidee scheitert und sein geliebter Großvater aus Italien stirbt. Dies führt ihn in eine weitere Depression. Bis ihm eines Tages etwas Merkwürdiges passiert, das ihm die Gewissheit gibt, „Es gibt Gott! ER sieht mich! ER ist da!“ und schließlich zum kompletten Ausstieg aus seinem bisherigen Leben führt.

Es ist ein aufrichtiges Buch.
 


Als Leser spürt man die Authentizität der Geschichte. Hier ist nichts erfunden oder zugedichtet. Dario Pizzano hat dieses Buch geschrieben, um andere teilhaben zu lassen an seiner schmerzlichen, aber auch wunderbaren Erfahrung mit Gott. Das Buch möchte Mut machen: Jeder kann sein Leben ändern und es so leben, wie Gott es von ihm geträumt hat. Es geht darum seine lenkende Hand im eigenen Leben entdecken. Das Buch beschreibt einen Prozess der Suche, der letztlich im praktisch gelebten Glauben mündet. In der Kirche findet Pizzano die Möglichkeit, diesen Glauben in Gemeinschaft zu leben. Heute arbeitet er in der Erwachsenbildung der Diözese Erfurt.

Zielgruppe

Geeignet ist dieses Buch für Leser ab 21 Jahren, die ihre Ausbildung abgeschlossen oder gerade Abitur gemacht haben und eher planlos vor der weiten Welt stehen und nicht wissen, wo ihr Platz in dieser Welt sein wird. Aber auch ältere Menschen, die diese Sinnsuche im Leben kennen, fühlen sich sehr stark von diesem Buch angesprochen.
Mich hat das Buch sehr gefesselt. Ich dachte, dass ich es so nebenbei lesen könnte, musste aber feststellen, dass oft so viel Wahrhaftigkeit und Aussagekraft in vielen Sätzen steckt, die man als Leser gerne erst einmal verinnerlicht, um weiterzulesen.

Exzess: Meine zwei Leben Dario Pizzano, 
Pattloch Verlag 2010, 271 Seiten, 
gebunden mit Schutzumschlag, 13,5 x 20,8 cm
ISBN-10: 3629022421
ISBN-13: 978-3629022424
16,95€

Donnerstag, 1. Juli 2010

Autorenportrait "Stadt Gottes" Heft Juli 2010

Dario Pizzano
Seine zwei Leben


Dario Pizzano hat sein Leben aufgeschrieben. Vor wenigen Jahren, mit Anfang 30 war er am Ende seiner Kräfte, vom Leben auf der Überholspur. Drogen, Alkohol, Partys. Er stieg höher, taumelte schließlich und fiel. Da begegnete der Gott. Diese Begegnung veränderte sein Leben. Eine moderne Bekehrungsgeschichte.


Nichts hetzt ihn mehr. Heute nimmt sich Dario Pizzano Zeit. Gedankenverloren steht der dunkelhaarige, fast zierlich wirkende Mann in der Halle des Göttinger Bahnhofs und wartet darauf, wieder von seinem Buch zu erzählen. So viele Male hat er das in der letzten Zeit schon getan. Geduldig Fragen beantwortet, Details erläutert, Zusammenhänge erklärt. Seit bekannt ist, dass er sein Leben niedergeschrieben hat, interessieren sich viele dafür. Besonders die Medien. Aber er spricht nicht mit allen darüber. Nicht mit solchen, die seine Botschaft missverstehen oder ins schillernde Licht rücken wollen. „Die Bild-Zeitung hat auch angefragt. Aber ich glaube, das wäre der falsche Weg, oder?“, fragt einer, der immer irgendwie in der Öffentlichkeit stand und mit dem Charme seiner italienischen Wurzeln nun doch so jungenhaft zurückhaltend und fast ein wenig unsicher wirkt. Man merkt ihm an, dass alles noch frisch ist. Dass Dario Pizzano noch im Anfangsstadium des Christseins befindet. Und doch schient er weiter zu sein, als so Mancher, der seit 30 Jahren regelmäßig den sonntäglichen Gottesdienst besucht und in der katholischen Tradition groß geworden ist.


In lilafarbenem Pullover und schwarzer Jeans sitzt der Autor am Cafétisch, lacht gewinnend und offen, während er Jacke und gestreiften Wollschal beiseite legt. Die linke Augenbraue zuckt fast ein wenig spitzbübisch. „Klar haben auch einige komisch geguckt, als sie erfuhren, was mir passiert ist. ´Jetzt ist er verrückt geworden´, haben sie gesagt, ´jetzt hat er die Mutter Gottes gesehen, jetzt ist er der Heilige Franziskus vom Eichsfeld. Aber manche sehen vielleicht etwas in mir, was ich nicht bin; ich bin kein Heiliger, kein Prophet – ich bin nur Gott begegnet.“ 

Mit 35 Jahren kann der Vater zweier unehelicher Kinder auf ein Leben zurückblicken, das wahrscheinlich für drei gereicht hätte. Einsamkeit und die Angst vor dem eigenen Tod waren die Schatten, die von Kindheit immer an seiner Seite waren, wie er in seinem Buch „eXzess - meine zwei Leben“ erzählt. Das war eigentlich sein persönliches Buch der Therapie, um Vergangenes zu reflektieren, sein Leben aufzuarbeiten, um endlich mit dem abschließen zu können, was ihn zu zerstören drohte. „Nackt kann die Wahrheit nur sein, wenn sie in Liebe angeschaut wird“, schreibt Pizzano. Viel Neues prasselte in den vergangenen Wochen und Monaten auf diesen jungen Mann ein. Alles habe sich verändert, obwohl er noch immer das mache, was er vorher gemacht habe – „nur eben jetzt für Gott.“


Dario Pizzanos Jugend war nicht einfach; als er drei Jahre alt ist, verlässt sein italienischer Vater seine deutsche Mutter. Die flüchtet sich in immer wechselnde Beziehungen, der Junge sieht seinen Vater nur selten. Einzig bei seinen deutschen Großeltern erfahren er und seine jüngere Schwester ein wenig familiäre Geborgenheit. Schwer sei es ihm beim Schreiben gefallen, wieder in diese schmerzvolle Zeit seiner Kindheit abzutauchen, erklärt der Autor. „Es war aber auch zugleich erstaunlich, wie schnell doch alle Bilder wieder da sind – selbst nach so vielen Jahren“.


Sein Lebenstagebuch erzählt von einem Mann der - mitten im Leben stehend - seine Geschichte erzählt. Unaufdringlich und doch so eindringlich, dass kaum auffällt, wie viele Worte er für die Rückblende findet. Er nippt nur kurz an seinem Latte Macchiato, Dario Pizzano steckt voll vom dem, was er so gerne weitergeben möchte. 

Er sei einer gewesen, dem das Lernen nie schwer fiel, hatte eine Ausbildung zum Industriekaufmann erfolgreich abgeschlossen und war im Anschluss als Geschäftsführer, DJ und Manager eine große Event-Kneipe tätig. Zunächst klingt der Lebenslauf unspektakulär, allenfalls etwas unkonventionell – aber nur, wenn man die Details und Pizzanos Seelenchaos in den Jahren seiner Jugend und seines Erwachsenwerdens beiseite lässt: Dass er bereits mit 13 entschied zum Vater zu ziehen, seinem großen Vorbild. Dort lebte der Junge allein in einer Wohnung, unbeobachtet und unkontrolliert trat er dort langsam seinen seelischen Abstieg an. Partys, Alkohol, Frauen – und letztendlich harte Drogen bestimmen in den Jahren des Heranwachsens seinen Weg. 

Dario Pizzano hatte sich nach außen ein tadelloses Image geschaffen; Um davon abzulenken, wie einsam er wirklich war, welche Angst er vor dem Tod hatte. Schon in jungen Jahren sei er gut darin gewesen, anderen etwas vorzuspielen, schildert er in seinem Buch. Um zumindest nach außen das Defizit an Anerkennung und Zuwendung auszugleichen, das ihm im Familiären versagt geblieben war.


Nach seiner Begegnung mit Gott im Jahr 2006 war schlagartig alles anders. Bis heute. Alles habe sich damals im Auto auf der Landstraße plötzlich klar und frei angefühlt, er habe unendliches Glück und Wärme gespürt, so schildert Dario Pizzano den Moment. Im Geiste hörte er Gottes Stimme, die ihm die unumstößliche Gewissheit gab, dass er nicht alleine sei. Der schlanke Mann schlägt die Beine am Cafétisch übereinander, lehnt sich zurück und nippt erneut an seinem Latte Macchiato „Wenn du dein ganzes Leben auf der Suche bist und kriegst dann dieses unglaubliche Geschenk, Gott erkennen zu dürfen. Zu sehen, da ist jemand, der dich kennt und liebt, das ist was ganz Fantastisches.“

Mit diesem Erlebnis geht er hinaus, möchte darüber sprechen und andere anstecken. Die Zeiten, anderen etwas vorzumachen seien für ihn entgültig vorbei. „Dadurch, dass ich keine Lust mehr habe auf Lügen, darauf, mir Masken aufzusetzen, merken die Leute vielleicht, dass ich echt bin. Sie sehen – der ist offen, also bin ich auch offen. Das ist eine neue Erfahrung für mich.“ Pizzano hat sein Buch zwar für sich geschrieben – gewidmet hat er es aber seinen Freunden. „Sie sind Menschen, die meinen Wandel zwar von außen gesehen haben, aber doch so wenig von mir wissen. Auch wenn wir so viele Jahre miteinander lebten, wissen die meisten nicht, was in meinem innersten Kern los ist.“


Sein Buch sei aber keine Lebensbeichte. Dario Pizzano reflektiert lediglich sein Leben – schonungslos ehrlich und gleichzeitig friedfertig. „Das Buch sollte ein Segen sein für alle, aber nie eine Abrechnung, ich wollte nie jemanden verurteilen oder mich über jemanden stellen. Das ist nicht mein Ding.“ Heute nimmt er sich Zeit für Dinge, die ihm auf der Überholspur nie etwas bedeutet haben: er kocht gerne und genießt es, in der Natur unterwegs zu sein.

Dario Pizzano strahlt innere Ruhe aus, eine geradezu ansprechende Besonnenheit. Mit Gesten unterstreicht er seine Worte. Vor der Veröffentlichung seines Buches habe er großen Druck verspürt, sei unsicher geworden. Dann habe er die Antwort im Gebet gesucht – im Zweigespräch mit Gott, das er bis vor wenigen Jahren nicht kannte. Und ohne das er heute nicht mehr kann. Nur Gottes Zuspruch reichte in diesem Fall nicht. „Dann kam mir der Gedanke: Schick es deiner Mutter.“

Der Frau, zu der er lange Zeit kaum Kontakt hatte. Mit der er aber schon vor Monaten seinen Frieden gemacht und sich ihr wieder angenähert hat. Auf die Post ihres Sohnes antwortete sie mit einer berührenden SMS. Sätze, nach denen Pizzano sich so lange gesehnt hat, wie er mit verhaltener, nachdenklicher Stimme bemerkt. Bei seinem Vater hatte er weniger Erfolg. Er hege aber keinen Groll mehr gegen den Mann, um dessen Anerkennung und Liebe er Zeit seines Lebens gebuhlt hatte. Vater und Sohn hatte die Tatsache auseinander getrieben, dass Dario nicht wie vom Vater gewünscht, in dessen Fußstapfen getreten ist. Auch wenn es zeitweise so aussah.


Denn nach einem kalten Drogenentzug mit Mitte Zwanzig hatte der Vater dem Sohn die Hand gereicht und machte ihn zum Geschäftsführer des Gastronomiebetriebes. Pizzano sah kurzweilig eine Perspektive, lebte in einer festen Beziehung und wähnte sich glücklich. Doch immer wieder habe er etwas gespürt, das ihm fehlte, das nicht echt gewesen sei. Er suchte Antworten – in philosophischen Werken und im Buddhismus. Klären konnte er seine Sinnfragen aber auch dort nicht. Seelisch und körperlich ausgelaugt begegnete er schließlich Gott.


Dieser Einschnitt ist für ihn entscheidend: Nach seiner ersten Beichte bei einem Priester verschlingt er förmlich theologische Bücher – rund 300 in nur wenigen Monaten. Begeistert stürzt er sich in ein theologisches Fernstudium. „In der Bibel fand ich endlich Antworten, auf all meine Fragen. Das war unglaublich.“ Doch alles andere ging weiter bergab; eine langjährige Beziehung zerbrach, die Arbeit im väterlichen Berieb erschien ihm immer sinnloser. Dann die Diagnose: Burn-out. Infarkt der Seele. „Ich musste etwas ändern. Zur Ruhe kommen. Dinge beenden.“Ruhe zum Nachdenken fand er in einem Kloster in Bochum-Stiepel. Dort konnte er seine Perspektiven neu ordnen und klarer sehen, was Gott ihm vorgab. „Eines hat mich getröstet: Wenn Er der Steuermann ist, muss ich mich nicht um den Kurs sorgen.“ Der Kurs, den Pizzano einschlug, scheint tatsächlich von Gott gegeben. „Das ging seit meiner Entscheidung, Jesus mein Leben zu geben; die Dinge kamen immer wieder einfach auf mich zu und ich musste immer nur noch ja sagen und zugreifen.“

So war es auch mit seiner neuen Aufgabe in seiner Heimatdiözese Erfurt. Wie maßgeschneidert klang die Stellenanzeige, auf die er sich bewarb. Nun ist Pizzano seit letztem Sommer verantwortlich für kirchliche Bildungsarbeit. Fragt man ihn danach, wie sich sein Leben verändert hat, zuckt er gelassen mit den Schultern. „Gar nicht so sehr – ich mache fast das Gleiche wie früher. Ich organisiere Veranstaltungen und Vorträge, ich bin wieder eine öffentliche Person – aber eben mit einer Geschichte, an der sich die Leute reiben können. Letztlich spüre ich, dass Gott nichts von meiner Identität ausgelöscht hat, sondern sie einfach mal neu verwandelt hat.“.


Auch sein privates Glück hat er endlich gefunden: Er hat eine neue Partnerin an seiner Seite, seine beiden Kinder sind regelmäßig bei ihm, der Kontakt zu Mutter und Schwester ist wieder da, Freunde die ihm zeitweilig den Rücken gekehrt hatten, sind zurück. Dario Pizzano schaut nach vorn. „Ich wünsche mir, das die Menschen bei meiner Geschichte vor allem eines sehen: Das da wirklich jemand ist, an den man sich wenden kann. Er hatte mich die ganze Zeit auf dem Schirm - nur ich habe ihn erst vor kurzem gesehen.“ 

für die "Stadt Gottes" Judith Bornemann

Montag, 28. Juni 2010

Kurzinterview:zu Dario Pizzano


Pater Simeon Wester, Subprior der Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz im Wienerwald, Österreich, kennt Dario Pizzano persönlich. Ihm hat der Autor seine Geschichte erzählt.


Gott beruft seit der Schöpfung der Welt Menschen, die dann bereit sind, diesem Anruf zu antworten; sie sind bereit auf Gott zu hören, mit ihm zu sprechen, sich ganz auf ihn einzulassen, ihm und seinen Weisungen zu folgen. Gott ist für den Glaubenden immer der Ersthandelnde, der aus Gnade und Erbarmen mit dem Menschen sich diesem in seiner Liebe offenbart. Gott ist ja nach eigener Aussage die Liebe. Er ist die Liebe, die alles an sich ziehen möchte, damit wir aus Selbstsucht und Egoismus befreit werden, und uns dem zuwenden, von dem wir ausgegangen sind und zu dem wir zurückkehren. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden, und deshalb versucht er die Menschen auf verschiedene Weise mit seiner Liebe, seiner Schönheit, seiner Wahrheit zu konfrontieren. So erkennt der eine Mensch Gott immer tiefer in der Liebe zum Nächsten. Ein anderer wird durch die Schönheit der Natur oder der Kunst angesprochen, wieder ein anderer durch die Sehnsucht, die Wahrheit zu erkennen - alles Mittel und Wege, wie Gott ruft und beruft. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass Menschen sich jahrelang dem Anruf Gottes verschließen, daß sie aber in der Tiefe der Seele eine Sehnsucht spüren, die sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Manchmal verleugnen und bekämpfen die Menschen sogar das, was sie im Inneren schon längst ergriffen hat, was sie aber nicht wahr haben wollen, im Trotz versperren sie sich der Schönheit, der Wahrheit, dem Guten, sie wenden sich der Dunkelheit, den Mächten der Finsternis, dem Tod zu.


Wie ordnen Sie das, was Dario Pizzano passiert ist, ein?



Dario Pizzano hat sicherlich sehr dunkle Stunden erleben müssen, hat aber nie nachgelassen, nach dem zu suchen, was seinem Leben Frieden und Ruhe bringt. Dabei hat er alles Mögliche und Unmögliche ausprobiert, ist dadurch an den Abgrund seines Lebens geführt worden, und ist durch ein Gnadenmoment Gottes, dem er sich nicht verweigert hat, sondern das er liebend angenommen hat, in die Schicksalsgemeinschaft mit Christus eingetreten. Dario hat Gott gerufen, weil Gott ihn gerufen hat.


Ist eine solche Begegnung mit Gott vielleicht gar nicht so außergewöhnlich, gibt es sie häufiger?


Jede Berufung ist etwas Außergewöhnliches, weil Gott immer den einzelnen, einzigartigen Menschen ruft. Der Ruf an Dario ist in den äußeren Umständen sicher sehr markant, etwa wie beim heiligen Paulus vor Damaskus, aber Gott ruft immer wieder auch in dieser heftigen Art und Weise, vielleicht um den kleingläubigen Gewohnheitschristen oder den im Glauben Erstarrten ein Beispiel Seiner großen Liebe zu geben.


Was macht das mit einem Menschen?


Der Berufene, der die große Liebe Gottes erfahren hat, antwortet wie jeder wahrhaft Liebende mit Liebe, das heißt mit Hingabe seines Lebens an den Geliebten. Und er kann nicht aufhören, von dieser Liebe zu erzählen. Denn er war ja verloren und ist wieder gefunden worden.


Was muss ich tun, um Gott in meinem Leben begegnen zu können?


Der Glaube an Gott ist immer ein Geschenk Gottes selbst. Wenn ich die entscheidenden Fragen meines Lebens stelle, komme ich ständig an Grenzen, die Gott in seiner Liebe auflösen will. Wenn ich bereit bin, mich auf diese Liebe einzulassen. Wenn ich sagen kann: Herr, reiss mich heraus aus der Enge meines Lebens, Herr befreie mich - dann wird sich Gott der Herr nich verschließen.


für die "Stadt Gottes" Heft Juli
Interview: Judith Bornemann

Montag, 21. Juni 2010

Besuch im CRUX Köln

Frag' nach! Autor Dario Pizzano zu verrückten Dingen aus seinem Leben
Nach seinem Auftritt beim ÖKT in München jetzt bei uns im CRUX: Dario Pizzano


Das ist schon verrückt: Da behauptet jemand, ihm sei Gott begegnet. An einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Uhrzeit. So recht in Worte fassen könne er es nicht. Doch mit seinem bisherigen Leben habe er radikal gebrochen. Die Geschichte schreibt er auf – aus therapeutischen Gründen, weil sein erstes Leben ihn fast zerstört hat; er ist seelisch ausgebrannt. Aus dem Report wird ein Buch.
Seit Mitte März ist es im Handel: Dario Pizzano, Exzess. Meine zwei Leben

Jetzt kommt der 35-jährige Autor ins CRUX, um mit uns über sein Leben und sein Werk ins Gespräch zu kommen.

Wann? Freitag, 25. Juni, 18 Uhr
Wo? CRUX-Saal an der CRUX-Kirche St. Johann Baptist | An Zint Jan 1 | 50678 Köln

Montag, 14. Juni 2010

Spannend.-Welche Offenheit.- Gott sei Dank.

rezension zu
dario pizzano
"eXzess - meine zwei leben"

Spannend.-Welche Offenheit.- Gott sei Dank.

„"Als ich Gott erkannte, wurde ich Mensch." Diese Aussage des Autors, dario pizzano, hat mich zutiefst getroffen, nachdem ich den Bericht über sein ausschweifenden Lebens gelesen hatte.

Das ganze Buch ist gekennzeichnet durch eine ehrliche Offenheit und eine glaubwürdige Echtheit. Tief hat mich die Namenswahl zur Firmung berührt: Paulus. (Nebenbei: Der Name Augustinus wäre ebenfalls passend gewesen.)

Dank sei Gott, dessen Wirken spürbar und sichtbar geworden ist im Leben des Autors. In meiner Besprechung werde ich das Buch wärmstens zur Lektüre empfehlen.”

Augustin, Droemer Knaur Site

Rezension Andreas Schwaderlapp

dario pizzano
eXzess meine zwei leben

Eine Rezension von Andreas Schwaderlapp

Ein kleiner Junge, der von den furchtbaren Streitereien der Eltern, von ihrer Trennung, von immer neuen "Vätern" traumatisiert wird - ein 13jähriger Jugendlicher, der von zuhause abhaut und eine eigene Wohnung nimmt, und der in Diskos, Drogen und Sex das Abendteuer sucht und findet - ein junger Mann, der als erfolgreicher Event Manager jahrelang "auf der Überholspur" lebt - und ein immer noch junger Mann, dem Gott begegnet, der seinen Traum vom Leben ganz neu findet und diesen Traum in seinem Alltag umsetzt...

dario pizzano erzählt seine Lebensgeschichte so spannend, so offen, so schonungslos gegenüber sich selbst, dass es einen erschüttert. Das Buch hat mir Einblicke in Abgründe unserer Gesellschaft gegeben, die mir als bürgerlichem Menschen verborgen waren. Es hat mir wichtige Aspekte meines eigenen Lebens gezeigt, die ich übersehen oder verdrängt hatte. Und es hat mir Mut gemacht: Jeder kann sein Leben ändern und es so leben, wie Gott es geträumt hat.

Andreas Schwaderlapp, Bonn

Mittwoch, 9. Juni 2010

Rezension von David Müller / Charisma Shop

Mitten im Exzess Gott begegnet
Exzess - Meine zwei Leben

Dario Pizzano ist DER angesagte Eventmanager in der Nähe von Göttingen. Nebenher aber auch Scheidungskind, alkohol- und drogenabhängig, Vater zweier Kinder von zwei Frauen, die beide nicht mehr bei ihm wohnen – und: Gott begegnet ihm aus „heiterem Himmel“.

In diesem Buch beschreibt Dario die Stationen seines Lebens aufrichtig und erschütternd. Durch geschickte und wohltuende Zeitsprünge sieht der Leser die abgrundtiefen Dramen aus der Gegenwart. Dies verstärkt die zutiefst positive Grundaussage des Buches.

Es hat mich sehr berührt, wie anfassbar die Geschichte ist. Es kam mir fast vor, als würde ich dario pizzano persönlich kennen. (Zugegeben: Wir sind ja auch ungefähr gleich alt.)

Hier schreibt kein christlich-fromm-abgeklärter Mensch über sein böses „damals“. Die Geschichte spielt auch weder in einer amerikanischen noch in einer asiatischen Kultur.

Nein, der Autor denkt, spricht und sündigt in Deutsch. Und genau dort erlebt er eine unvorhergesehene, unendlich kraftvolle Begegnung mit Gott.

Dieses Buch ist nicht nur zur eigenen Ermutigung. Es ist vor allem auch für die Generation der heute 30 – 40jährigen, die mit voller Geschwindigkeit, aber doch meist ziellos unterwegs sind.

Bitte unbedingt verschenken. Du könntest Leben retten!

David Müller

http://blog.charisma-shop.de/2010-06-09/mitten-im-exzess-gott-begegnet/

Montag, 7. Juni 2010

Rezension aus Österreich zu "eXzess" von vision2000

Eine Gottesbegegnung, die das Leben eines 30jährigen umkrempelt

Absturz in den Himmel

Von Urs Keusch

Das sind die schönsten Wunder Gottes: Wenn in die Nacht, in die Verzweiflung, ja, in die Hölle eines Menschen das Licht der Liebe Gottes einbricht, machtvoll, ein Blitz aus heiterem Himmel, unverdient – reine Gnade.


Neulich kam ein Buch heraus, das eine solche Geschichte erzählt, die Geschichte von Dario Pizzano: 1974 geboren lebte er im Eichsfeld. Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann war er Eventmanager und DJ. Eines Tages macht er eine überwältigende Gotteserfahrung, studiert daraufhin katholische Theologie und arbeitet heute in der Erwachsenenbildung. Was er mit Gott erlebt hat und was diesem Erlebnis vorausgegangen ist, schildert ein empfehlenswertes Buch, das sich besonders für junge Menschen eignet.

Dario Pizzanos Leben kennt lange nur die Extreme: Sex, Drugs und Rock’n Roll – ein Leben auf der Überholspur. Nach außen ist es glamourös, erfolgreich, doch eigentlich ist er immer nur auf der Suche nach dem nächsten Kick: „Ich wollte berühren, fühlen, Schmerz empfinden, Grenzen überschreiten, daher wohl meine Sucht nach Anerkennung, nach Sex und körperlichen Grenzerfahrungen. Musik durfte nicht leise sein, sie mußte bis zur Schmerzgrenze gehen, Alkohol saufen, bis der Arzt kommt... Ab in den Flieger, ab nach Mallorca, ab nach Ibiza, ab nach Napoli! Ab auf den nächsten Trip. Alkohol, Drogen. Partys. Frauen. Immer sollte es irgendwo noch heftiger sein.“
Am 28. November 2005 fährt Dario Pizzano mit dem Auto auf der Landstraße von Seeberg nach Hause. Da geschieht etwas, was vor ihm schon Paulus und andere Menschen erlebt haben: die Barmherzigkeit, die Gnade, den völlig unverdienten, überraschenden Einbruch der erbarmenden Liebe Gottes in sein Leben. Dario nennt es „Absturz in den Himmel“.

Er hält seinen Wagen an; was er damals erlebt hat, bringt er in dieses Gestammel:

„Vielleicht 20 Minuten lang: Wärme und Licht. Wärme und Licht. Liebe. Wärme und Licht. Liebe. Immer neu. Immer anders. Immer stärker. Nicht zu vergleichen mit Drogen. Keine Entfremdung. Kein Rausch. Ich bin ganz bei mir, bin bei mir, wie ich nie in meinem Leben bei mir war. Es ist ganz klar, ganz stark. Dieses Einströmen von etwas Wunderbarem. Meine innere Bitterkeit verfliegt, meine Härte zerbröselt, mein Eispanzer bricht innerhalb nur einer Sekunde. Ich heule mein ganzes Leben raus, den ganzen schrägen Film. Alle Schleusen gehen auf. Es ist so unglaublich, so unbeschreiblich schön. – Plötzliches Wissen, spontane Gewißheit: Es gibt Gott! Er sieht mich. Er ist da!“

Dario Pizzano schreibt sein Leben auf und legt uns nun in Buchform vor: Exzess. Meine zwei Leben. Er schreibt vor allem für seine jungen Freunde, „für Euch und für unsere ganze Generation, die wir gemeinsame Erfahrungen machten – mit unserer Sehnsucht nach Nähe und neuen Formen des Umgangs miteinander, mit Drogenexperimenten, mit Musik, die zu einem vollkommenen Ausdruck unseres Selbst wurde, mit wildem, wahllosen Sex und tastenden Suchereien nach Liebe und Angesehenwerden.“

Und er will ihnen vor Augen führen, was für ein unendliches Geschenk ihm Gottes barmherzige Liebe gemacht hat: „Ich bin heute ein Mensch, der sich wie neugeboren fühlt, weil er ein wärmendes Licht im Herzen spürt, das still und kraftvoll brennt und mir Kraft ohne Ende gibt. Wenn Ihr dieses Licht auf die Waagschale legt und auf die andere Seite alle sexuellen Abenteuer, alle Trips und alle euphorischen Zustände, die ich je in meinem Leben erfahren habe – und Ihr wißt alle: das waren eine Menge –, dann würde ich keine Sekunde zögern und nach dem Licht greifen.“ Gott ist tatsächlich der barmherzige Vater...

Was Dario Pizzano erlebt hat – diesen „Absturz in den Himmel“ –, das möchte Gott auch allen anderen Menschen schenken, denen es so oder ähnlich ergeht wie ihm, vor allem den jungen und verführten Menschen heute, die Opfer sind einer unaufhaltsamen Flut der Verunreinigung, des Gemeinen, des Dämonischen. „Ich bin heute ein Mensch, der sich wie neugeboren fühlt“, sagt Dario Pizzano von sich. Sich neugeboren zu fühlen, das ist vielleicht das tiefste Bedürfnis der menschlichen Seele. Immer suchen wir die verlorene Reinheit unseres Herzens wieder. Und wir finden sie nur, wenn der Erlöser auch in unser Totenreich hinabsteigt und uns seine eigene Reinheit und Heiligkeit schenkt.

Der normale Weg zu dieser Erfahrung ist für uns Christen das Sakrament der heiligen Beichte. Also ging Dario Pizzano zu einem Priester und sagt ihm: „ Mein Leben ist eine einzige Katastrophe.“ Er legt eine Lebensbeichte ab und macht die Erfahrung: „Gott zeigte sich mir in Wahrheit als der wahre Vergeber und Versöhner. Gott ist tatsächlich der barmherzige Vater, der mich ohne alle Bedingung annimmt und mir alle Schuld verzeiht, so daß sie wirklich aus der Welt ist.“

Aber damit war es nicht getan, wie Dario es sich erhofft hatte und wie viele Menschen glauben, die eine Bekehrung erlebt haben. Vielmehr beginnt nun ein steiler und steiniger Weg. Er schreibt: „Abstieg war angesagt – und ich wollte doch zu neuen Ufern aufbrechen, wollte nichts mehr wissen von allem, was hinter mir lag… Familienschuld wurde endlich aufgedeckt. Alle sind und waren Opfer und Täter in einem. Alle. Mein Vater war das Opfer seines Vaters. Meine Mutter das Opfer ihrer Mutter. Meine Schwester war das Opfer ihres Vaters. Und so weiter. Und weil wir Opfer waren und mit unserer Opferrolle nicht umgehen konnten, taten wir uns und anderen großes Leid an, wurden zu aktiven Tätern, die sich in diesem Pingpong des Irrsinns neue Opfer suchten…“

Es beginnt ein langer, schmerzhafter Weg der Aufarbeitung seiner Lebensgeschichte. Dario bittet die Menschen, an denen er schuldig geworden ist, um Vergebung. Den vollständigen Ausstieg aus seiner Drogen- und Tablettenabhängigkeit und aus seiner schweren Depression schafft er nicht ohne therapeutische Hilfe. Ja, er erfährt gerade in der Hilfe durch andere Menschen Gottes Fürsorge und Nähe.
Bedenkenswert ist auch, was Dario nach dieser heilenden Got?teserfahrung vom neuen Umgang mit seiner Geschlechtlichkeit sagt: „Die Veränderung meiner sexuellen Praxis und meiner sexuellen Einstellungen ist vielleicht der fühlbarste Unterschied zu früher. Ich ekle mich mittlerweile regelrecht vor Pornografie oder auch Selbstbefriedigung… Sexualität ist nur mit Liebe wirklich erfüllend. Voller Sex braucht die volle Liebe, der Rest ist vom Teufel. Was habe ich nur selbst erlebt und was habe ich an der Theke für Geschichten gehört von One-Night-Stands, Betrügereien und ihre Folgen!... Welch ein schreckliches Elend! Welch ein Preis für die schnelle Nummer! Das mache ich nie, nie mehr… Mit meiner Uta werde ich das erst haben, wenn ich vor dem Altar für immer ja zu ihr sage. Das ist für uns beide überhaupt nicht schwer. Wahre Liebe wartet. Das habe ich endlich kapiert.“

Nicht weniger erfrischend ist, was Dario Pizzano nun über die Familie schreibt, die er vorher als Einrichtung für Spießer gehalten hatte: „Die familiären Bindungen, die vorhandene oder fehlende Liebe, das geschenkte oder entzogene Vertrauen, sind das nicht die psychischen Bausteine, auf denen sich stabiles, gesundes, starkes Leben aufbaut? Liebe – das ist es doch, was die Menschen ihr Leben lang suchen. Das einzige Ziel, für das es sich zu leben lohnt. Der einzige authentische Antrieb. Liebe! Was ist eine intakte Familie? Die einzige Lebensform, so denke ich heute, in der wir einander gerecht werden können… Eine intakte, liebevolle Familie ist der wahre Nährboden für gesunde und selbstbewußte Menschen.“

Das Buch ist auch darum sehr empfehlenswert, weil heute nicht wenige junge, aber auch ältere Menschen ähnliche Erfahrungen machen wie er. Sie erleben unerwartet – meist in einer Lebenskrise – die liebevolle Wirklichkeit Gottes und machen dabei umwerfende Erfahrungen. Dann meinen leider viele, es sei nun alles getan, von jetzt an sei endloses Schweben angesagt. Doch dies erweist sich als Irrtum und führt bei vielen zur Entmutigung. Der hl. Franz von Sales sagt dazu: „Gewöhnlich geschieht Genesung des Leibes wie der Seele nur allmählich, Schritt für Schritt, von Stufe zu Stufe, mit großem Aufwand an Mühe und Zeit… Das Bemühen um Reinigung unserer Seele kann und soll nur mit unserem Leben ein Ende finden“. Auch zu diesem geduldigen und beharrlichen Weg möchte das Buch alle ermutigen, die mit ihrer Vergangenheit noch nicht fertig geworden sind. Sind wir das überhaupt je?

exzess. Meine zwei Leben. Von Dario Pizzano, Pattloch, 271 Seiten, 16,99 Euro

Dienstag, 1. Juni 2010

Besuch der Stattlichen Regelschule Konrad Hentrich

Hoch her ging es im Leben des Dario Pizzano, aus dem er bei einem Besuch am 10. März 2010 anlässlich der Herausgabe seines Buches „Exzess - meine zwei Leben“ erzählte.

Früher Highlife mit Partys, Frauen und Drogen verfiel er als Clubleiter nach und nach in schwere Depressionen, aus denen er durch seinen neu entdeckten Glauben fand. 


In einer ungewöhnlichen Religionsstunde gab er den Schülern der Klassen 9 und 10 einen Tag vor dessen Erscheinen Einblicke in sein autobiografisches Werk. 

Die anschließende Runde  zeigte regen Diskussionsbedarf seitens der Schüler, die zum Teil durch Erstaunen über den Wertewandel Pizzanos gekennzeichnet war.
 
Heute ist Herr Pizzano in der Jugend- und Erwachsenenbildung der Diözese Erfurt tätig und tritt in Workshops, auf Veranstaltungen und Vorträgen auf.


Vortrag bei der Jugendvigil am 04.06.2010 im Stift Heiligenkreuz

Stift Heiligenkreuz lädt Dario Pizzano zu unserer JUGENDVIGIL ein. -

Die nächste Jugendvigil naht, wir werden wieder kräftig lobpreisen und beten. Und: Wir werden ein tolles Zeugnis hören. Jeder, der Dario Pizzano begegnet ist schwer beeindruckt, wir haben ihn von Deutschland hergeholt, damit er uns erzählt, wie er Gott begegnet ist. Wer schon mal was lesen will, Opens external link in new windowkann hier nachschauen. Sein Buch "Exzess" ist absolut fesselnd.

Lasst Euch überraschen! Wir laden wieder Jugendliche ab Firmung ein (wer noch nicht gefirmt ist: Anmeldung per E-Mail an P. Karl pkw@stift-heiligenkreuz.at)

http://www.liborius.de/aktuell/aktu...ell/nahaufnahme-dario-pizzano.html

 
Video: Warum gehst Du zur Jugendvigil?
http://www.youtube.com/watch?v=Q56k9nhVHbc

Stift Heiligenkreuz wurde 1133 vom heiligen Markgrafen Leopold von Österreich gestiftet und besteht seitdem ohne Unterbrechung. Heute leben in Stift Heiligenkreuz 80 Mönche, die durch Gebet, Stille und Arbeit ein großes Zeugnis des Glaubens geben. Stift Heiligenkreuz ist eines der lebendigsten Klöster Europas. Tausende Menschen erfahren in diesem Kloster Halt, Orientierung und Freude.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Artikel im "Tag des Herrn" 06.05.2010



UZ: Premiere des ungewöhnlichen Buches „eXzess – Meine zwei Leben“

Heiligenstadt. Nein, abrechnen will der Autor nicht. Nicht mit seiner Vergangenheit, nicht mit Menschen, deren Wege er heute verlassen hat. Er ist kein „kleiner Franziskus vom Eichsfeld“, wie er von ehemaligen „Freunden“ mit ironischem Unterton bezeichnet wird. Und er erwartet auch nicht, dass ihm nun jeder auf die Schulter klopft und bekräftigt: „Dario, wir glauben Dir.“ Zu diesen Verneinungen steht der Autor Dario Pizzano. Er hat mit einem Theologiestudium begonnen; ist seit September 2009 als Regionalbeauftragter des Katholischen Bildungswerkes Erfurt für die Region Eichsfeld im Heiligenstädter Marcel-Callo-Haus tätig.

Sein im Frühjahr 2010 im Pattloch Verlag München erschienene Buch „eXzess – Meine zwei Leben“ schlug ein wie der sprichwörtliche Blitz. Der größte Saal des Jugend- und Erwachsenenbildungshauses reichte am Freitag, 23. April gerade noch so aus, den Menschen aus drei Generationen Platz zu bieten, die zur Buchpremiere gekommen waren. Zusätzliche Stühle wurden gebracht, die Teilnehmerzahl näherte sich der Zweihundert. Besucher, so Diakon Johann Freitag als einfühlsamer Moderator des Abends, die regelmäßig willkommen geheißen werden, andere, die ab und zu mal reinschauen oder jene, die eigens von weiter her angereist waren. Verlagsleiter und Herausgeber Bernhard Meuser aus München und Freunde Darios aus Augsburg kennen Lesungen mit einer überschaubaren Besucherzahl, beginnend im einstelligen Bereich. Was also ließ die Besucher zur Buchvorstellung strömen? 

„Eine Wahnsinnsgeschichte“ steht auf dem Schutzumschlag zu lesen. Und das ist wirklich so. Doch wie kann jemand, geboren 1974, ein Buch über sein Leben, nein sogar über seine zwei Leben schreiben? Ist das nicht erst nach etlichen Lebensjahrzehnten sinnvoll? Nein.  

Da schreibt ein Mensch, der innerlich völlig zerrissen und ausgebrannt war, den Vorhof zur Hölle bereits zu seinem festen Wohnsitz bestimmt hatte. Er schreibt ehrlich, ohne Schuldzuweisungen für andere. Bereitwillig und schonungslos lässt er die Leser teilhaben an seinem Achterbahn-Leben, das er eineinhalb Jahrzehnte lang lebte mit einer selbstgewählten Maske vorm Gesicht. Dario Pizzano, der erfolgreiche Musik- und Event-Manager, war der Strahlemann, der Macher, der ständige Gewinner, der Abenteurer und charmante Frauenverführer. Einer, der scheinbar auf der Sonnenseite des Lebens seinen angestammten Platz hatte, immer gut drauf war, dessen Erfolge wohl nie enden würden. Mehr und mehr rutscht er ab, in die Welt der Drogen, des Alkohols, kämpft gegen Einsamkeit, Krankheit, Depressionen. Seine Beziehungen zur Kirche: Taufe, später Kommunion. Nicht mehr und nicht weniger. 

Am 28. November 2005 gegen 14:00 Uhr auf der Bundesstraße 27, in Niedersachsen, nicht sehr weit weg von Thüringen, vom Landkreis Eichsfeld, passiert dem Ausgeflippten etwas Unfassbares. Von der Wandlung des Saulus zum Paulus wird gesprochen oder geschrieben, vom Damaskuserlebnis, wenn eine solche Situation nur annähernd begreiflich gemacht werden soll. Dario Pizzano sagt dazu den schlichten Satz: „Ich bin gerade Gott begegnet.“ Sagt ihn und wird verstanden, weil Menschen ihn verstehen wollen. Niemand greift zum Telefon, damit der Durchgeknallte möglichst schnell in einer geschlossenen Anstalt verwahrt wird.
Im Buch, das in der Ich-Form geschrieben ist, gibt es Erinnerungen an jüngst Gewesenes, an Ereignisse in den Jahren 2005 bis 2009. Und es gibt Rückblenden, bis ins Jahr 1981. Sie alle gehen zu Herzen und unter die Haut. Die  wunderbaren Musikdarbietungen von Mitgliedern der Eichsfelder Gruppe „diekenstiek“, Miriam Nentwich (Gesang) und Sven Tasch (Klavier) passten so recht zur Premiere eines ungewöhnlichen, lesenswerten Buches.


Montag, 3. Mai 2010

Buchtipp eXzess Meine zwei Leben

Eine Wahnsinnsgeschichte“ steht auf dem Schutzumschlag zu lesen. Und das ist wirklich so. Doch wie kann jemand, geboren 1974, ein Buch über sein Leben, nein sogar über seine zwei Leben schreiben? Ist das nicht erst dann sinnvoll, wenn ein Mensch schon auf etliche Lebensjahrzehnte blickt? Nein.

Das ist keine Rezension im klassischen Sinne. Dieses Buch zu rezensieren bedeutete für mich eine Ausnahmesituation und eine Herausforderung. Denn als ich den Autor kennen lernte, im Herbst 2009, war es geschrieben und angekündigt für das Frühjahr 2010. Es war also kein Erstlingswerk eines mir persönlich völlig Unbekannten. Ich saß einem Mann gegenüber, der im Dienst der katholischen Kirche steht und war zunächst der Meinung, da habe ein junger Mann den klassischen Weg eingeschlagen, der da lautet: Aufgewachsen im christlichen Elternhaus, noch während der Schulzeit die Entscheidung für eine kirchliche Laufbahn, Theologiestudium.

Dario Pizzano gab mir einen winzigen Einblick in das, was mich erwarten würde. Dann nahm ich dieses Buch zur Hand und wusste bereits auf den ersten Seiten: Darin kann niemand einfach nur mal so blättern. Da schreibt ein Mensch, der innerlich völlig zerrissen und ausgebrannt war, den Vorhof zur Hölle bereits zu seinem festen Wohnsitz bestimmt hatte. Er schreibt ehrlich, ohne Schuldzuweisungen für andere Menschen. Bereitwillig und schonungslos lässt er die Leser teilhaben an seinem Achterbahn-Leben, das er eineinhalb Jahrzehnte lang lebte mit einer selbstgewählten Maske vorm Gesicht. Sehr früh schon beginnt Dario an seiner Maske zu basteln, die er lange Jahre tragen wird; im gnadenlosen Alltag erschafft er sich eine Fantasiewelt. Als Rückzugsort, um das Leben zu ertragen. Irgendwie ist er auch stolz darauf und wird von Gleichaltrigen seiner großen Freiheit wegen beneidet. Doch mehr und mehr weicht der äußere Glanz einer bedrückenden inneren Leere. Dario, der erfolgreiche Musik- und Event-Manager, war der Strahlemann, der Macher, der ständige Gewinner, der Abenteurer und charmante Frauenverführer. Einer, der scheinbar auf der Sonnenseite des Lebens seinen angestammten Platz hatte, immer gut drauf war, dessen Erfolge wohl nie enden würden. Mehr und mehr rutscht er ab, in die Welt der Drogen, des Alkohols, kämpft gegen Einsamkeit, Krankheit, Depressionen. Nichts wirkt aufgesetzt oder unglaubhaft. Alles ist so lebendig und persönlich beschrieben, nicht eine Zeile ist unrealistisch, hölzern, schulmeisterhaft oder hoch gelehrt. In einem alles verschlingenden Strudel ringt ein Mensch um innere Ruhe und es ist lange Zeit ein Kampf gegen Windmühlenflügel.

Es mag jetzt sehr pathetisch klingen, ist aber schlicht die Wahrheit. Ich habe mich festgelesen im druckfrischen Buch, hab’ sogar mal das große Heulen gekriegt – nicht aus Verzweiflung, sondern erleichtert über die Richtungsänderung in Darios Leben, obwohl sich meine persönlichen Bindungen zur Kirche in – vorsichtig ausgedrückt – äußerst engen Grenzen halten. Zum ersten Mal konnte ich mir zumindest das vorstellen, was als Damaskuserlebnis bezeichnet wird: das (biblische) Aha-Erlebnis, das zur Umkehr, zur Wende führt. Die Begegnung mit Gott. Die Bibel und heute das Internet wissen: Der Christenverfolger Saulus hatte auf dem Weg von Tarsus nach Damaskus eine prägende Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Das beeinflusste ihn so, dass er, heute noch in Form einer Redewendung existierend, sich vom Saulus zum (Apostel) Paulus wandelte. Im Buch, das in der Ich-Form geschrieben ist, gibt es Erinnerungen an jüngst Gewesenes, an Ereignisse in den Jahren 2005 bis 2009. Und es gibt Rückblenden, bis ins Jahr 1981. Sie alle gehen zu Herzen und unter die Haut. Zeigen, dass da ein verängstigtes Kind, auch noch im Erwachsenenalter, nur den einen großen Wunsch hat: geliebt, wahr- und angenommen zu werden.
Dario Pizzano begegnet Gott, als er wieder einmal ganz tief unten ist. Ich muss nicht wissen und auch nicht wissenschaftlich zu ergründen suchen, wie so etwas überhaupt „funktioniert“. Wichtig ist doch einzig und allein nur, dass „es“ passiert ist. Was mich mindestens ebenso berührt wie die Gottesbegegnung selbst ist jene, die unmittelbar danach stattfindet. Voller Sorge, jetzt könne gleich jemand zum Telefon greifen, damit der Durchgeknallte in einer geschlossenen Anstalt verwahrt wird, erlebt Dario das Gegenteil. Ihm wird geglaubt. Die beiden folgenden Sätze sind ebenso kurz wie unpathetisch und einprägsam: „Ich bin gerade Gott begegnet. Nach fast 30 Jahren in der Kälte.“ Immer wieder beeindruckend für mich sind Darios wirkliche, echte Freunde, die zu ihm halten.

Ich hätte den dringenden Wunsch verspürt, dem Autor gegenüber zu stehen, nicht etwa zu einem Pressegespräch, sondern den Menschen Dario kennen zu lernen, mit ihm zu reden „über Gott und die Welt“, würden wir uns noch nie getroffen haben. Hier meint es jemand ernst mit seinem religiösen Leben, steckt andere Menschen an mit seiner Fröhlichkeit und Herzlichkeit, gibt wohltuende Zuwendung ohne lästiges Missionieren-Wollen. Einer, zu dem ich mich, obwohl altersmäßig schon eine Generation weiter, jederzeit voll Vertrauen setzen und sagen kann: „Reden wir miteinander. Reden wir über Trauer und über Freude, über Schlechtes, über Gutes und Schönes in der Welt. Reden wir über das Leben. Und: Hören wir einander zu.“

Christine Bose
Dipl.-Journalistin

Dario Pizzano
eXzess Meine zwei Leben
271 S., Hardcover
ISBN 978-3-629-02242-4
Preis: 16.95 €
Pattloch Verlag München
Verlagsgruppe Droemer und Knaur München
www.pattloch.de

Donnerstag, 29. April 2010

Rezension bei indigo wolfsburg

Leben auf der Überholspur – mit Bleifuß! „Pizza" ist italienischer Eventmanager, DJ und ständig auf Treibjagd nach der nächsten Grenzerfahrung. Musik immer bis zum Anschlag, Sexbesessenheit, Suff, Drogen... Mehr als einmal rauscht er knapp am Zusammenbruch vorbei, bis ihm eines Tages ein spirituelles Licht aufgeht. „Als ich Gott erkannte, wurde ich Mensch", schreibt er, ohne dabei missionieren zu wollen. Nüchtern erklärt er, kein hängengebliebener Spinner oder Heiliger zu sein. So schreibt er sich seine turbulente Geschichte unbefangen von der Seele. Und gerade das macht die Qualität der Autobiografie aus.

Dario Pizzano
"eXzess-Meine zwei Leben"
Pattloch Verlag 
Indigo Kultur Magazin 

4 Pfeile
Benyamin Bahri

Dienstag, 6. April 2010

Rezension "Die Tagespost" Ostersamstag 2010


Hardcover, 271 Seiten, 16.95 EUR


Marionette der eigenen Gier


Über ein aus den Fugen geratenes Leben und seine unerwartete Wendung

Das ist schon verrückt: Da behauptet jemand, ihm sei Gott begegnet. An einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Uhrzeit. So recht in Worte fassen könne er es nicht. Doch mit seinem bisherigen Leben habe er radikal gebrochen. Die Geschichte schreibt er auf – aus therapeutischen Gründen, weil sein erstes Leben ihn fast zerstört hat; er ist seelisch ausgebrannt.

Aus dem Report wird ein Buch. Seit Mitte März ist es im Handel: „Exzess. Meine zwei Leben“. Der Autor: Dario Pizzano, 35, geboren in Göttingen, aufgewachsen in Duderstadt im Eichsfeld. Mutter Deutsche, Vater Italiener. Es ist eine packende Geschichte, die dieser Deutschitaliener erzählt. Keine nette „Hallo Mister Gott“-Plauderei, sondern das schonungslose Bekenntnis eines Mannes, der bis zum Exzess gelebt hat – und plötzlich ein zweite Chance bekommt.

Dem Leser eröffnet er eine Welt der Gegensätze, Brüche und Widersprüche. Kindheit, Scheidung der Eltern, Jugend, Auflehnung, Sehnsüchte, Verwahrlosung, Sinnsuche, Verzweiflung, Erfolge und Abstürze: Jahrelang hat Dario Pizzano einen Musikclub geführt, ist erfolgreich und beliebt. Nach außen immer gut drauf, doch innen leer, von Ängsten und Depressionen geplagt. Liebe, Wärme, Geborgenheit kennt er nicht.

Die, die ihm all das geben sollten, konnten oder wollten es nicht. Das Kind verkümmert seelisch. Seine Not wird übersehen. Der Jugendliche greift zu Alkohol, Drogen, flüchtet sich schließlich in erste erotische Abenteuer. Er sucht der inneren Leere zu entfliehen – immer wieder, mit immer höheren Dosen. Alkohol, Drogen, Sex. So lange bis es nicht mehr geht und das kaum Fassbare geschieht: eine Gotteserfahrung. Aber davon später.

Rückblende, 90er Jahre, Duderstadt. Der Autor schreibt: „Der Music-Pub läuft. Eine Riesenzeit! Neue Droge. Neue Mucke. Neue Szene. Punk is dead. Techno & House are on. Ich komplettiere jetzt das Arsenal meiner Kicks, habe zum Haschisch, dem Alkohol, den Zigaretten und den Frauen noch einige neue Begleiter für mich gefunden: chemische Amphetamine und Kokain! Whoow, Amphetamine – einen Moment stockt mir der Atem, als ich das Tütchen Stoff in Händen halte, von dem mir jemand gesagt hat, es würde mich leistungsfähiger und selbstbewusst machen ohne Ende. Ich kann es kaum erwarten, mir das Zeug durch die Nase zu ziehen. Nur eine kleine, weiße Linie bin ich jetzt noch vom Paradies entfernt.“

Der Rausch gehört zum Alltag, die Sucht wird verdrängt, die Lüge Teil des Systems. Das Leben des Dario Pizzano ist bereits seit Jahrzehnten aus den Fugen. Er weiß es und will es doch nicht wissen. Zerrüttete Verhältnisse, zerstörte Kindheit: Die Eltern trennten sich früh, die Mutter hat weitere Partner. Eine Schwester wird geboren. Ihr Vater ist nicht der eigene, sondern ein anderer. Familie bleibt Illusion. Es folgt Umzug auf Umzug. Freundschaften mit anderen Kindern gehen wieder verloren, nichts hat wirklich Bestand. Gesellschaftliches Normalmaß, akzeptiert und propagiert: Erfinde dich selbst, probiere aus, entdecke dich neu – ein zynisches Spiel. Menschen gehen daran zugrunde. Der Zeitgeist gebiert Kälte.

Durch die Trennung der Eltern ist das kindliche Koordinatensystem nachhaltig gestört. Der leibliche Vater hat sich abgesetzt, die Mutter ist überfordert. Dario Pizzano: „Sie ist eine sehr starke, wenn auch tief unglückliche, Frau. Ich spüre das. Sie leidet unter der Trennung von meinem Vater, wie ich darunter leide. Sie ist wütend auf ihn. Ich höre von ihr, dass er jetzt eine andere Frau liebt. Das verletzt sie sehr. Die Tränen und die Wut meiner Mutter – ich möchte sie nicht hören und sehen. Ich weine dann auch immer viel. Er ist doch mein Vater. Sie ist meine Mutter. Warum sind sie nicht bei mir? Sie sollen sich nicht streiten. Warum sind wir nicht zusammen? Ich verstehe das alles nicht.“

Schließlich hält der Junge es nicht mehr aus. Mit dreizehn Jahren verlässt er die Mutter, geht zum Vater. Der will seinen Sohn aber nicht. Schließlich überlässt er dem Heranwachsenden eine leer stehende Dreizimmerwohnung – und sich selbst. Das Erstaunliche: Obwohl er allein zurechtkommen muss und trotz seiner inneren Leere, eines mehr und mehr ausschweifenden Lebensstils und etlicher Abstürze schafft Dario Pizzano Schulabschluss und Berufsausbildung.

Es sind die italienischen Großeltern die zunächst dem Kind, dann dem Jugendlichen und jungen Mann zumindest für Wochen „Wunder der Gewöhnlichkeit“ schenken, die Wärme und Zuwendung, den Halt einer Familie, fast alles, was er braucht. Aufs Jahr gesehen ist das zuwenig und doch noch viel. Umso ärger trifft den jungen Erwachsenen die Nachricht vom Tod des Großvaters. Es ist der Anfang vom Ende oder vielmehr der Beginn von etwas Neuem.

November 2005. Der Alltag ist so grau wie die vorherrschende Farbe. Dario Pizzano sitzt im Wagen, bereit alles loszulassen, das Lenkrad, sein Leben – und steuert stattdessen auf eine Erfahrung zu, die sich menschlicher Ratio entzieht. Er begegnet Gott: „Warum sich in meinem Mund plötzlich der Satz ‚Mein Gott, ich kann nicht mehr!‘ bildet, weiß ich nicht. Ich habe keinen Glauben. Und sage doch: ‚Mein Gott, ich kann einfach nicht mehr!‘ Da geschieht es. Ich fühle, dass JEMAND diesen Satz hört. Ich pralle zurück. Bin wie geschlagen. Körper, Seele, Geist – alles zugleich wird berührt. Ich zittere. Was ist das? Hilfe! Werde ich verrückt? Nein. Es ist keine Einbildung. Es ist wahr. Liebe, unfassbare Liebe durchdringt mich, ein Empfinden unendlicher Kraft und Sanftmut, ein so unfassbar starker Eindruck. Bringe den Wagen irgendwie zum Stehen, reiße den Schlüssel raus. Öffne die Fahrertür, wie um Luft zu schöpfen.“

Fazit: „Exzess – Meine zwei Leben“ ist ein schonungsloser, authentischer Bericht ein faszinierendes Buch. Wechselnde Zeitebenen schaffen Spannung. Die verblüffende Offenheit des Autors überzeugt. Der emotionalen Wucht und sprachlichen Dichte will man sich irgendwann nicht mehr entziehen. Die Lektüre fesselt. Wer Dario Pizzano liest, denkt unwillkürlich an den französischen Journalisten André Frossard. Sein Werk „Gott existiert. Ich bin ihm begegnet“ war in den 60er und 70er Jahren ein Bestseller. Ob „Exzess“ daran anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Doch gerade unter Jugendlichen dürfte das Buch viele Leser finden.