VATICAN MAGAZIN Schönheit und Drama der Weltkirche HEFT 3, März 2010
Zur Veröffentlichung von "eXzess-Meine zwei Leben"
1. Guido Horst, Vatican Magazin:Können Sie kurz erklären, was Sie heute machen?
Gerne.Seit dem August 2009 arbeite ich im Obereichsfeld für das Bistum Erfurt in der christlichen Erwachsenenbildung. Dort organisiere und halte ich Vorträge und Lesungen in Gemeinden, Bildungshäusern, Schulen, Museen.Zudem moderiere ich Podiumsdiskussionen, welche den Dialog von Kirche und Gesellschaft anregen sollen.Es ist eine wirklich spannende Aufgabe,
die mir große Freude bereitet.
2. Guido Horst, Vatican Magazin: Ein vollkommen anderes Leben als früher?
Ja und Nein. Ja, denn im Grunde hat sich schon alles verändert. Ich darf heute meinen Kindern ein Vater sein, bereite ich mich auf eine christliche Ehe vor, meine Talente stehen im Dienst der Kirche, ich gehe häufig zur Messe und vor allem: ich lebe aus dem Gebet!
Nein, denn ich lebe wieder mitten in der Welt und rein äusserlich bin ich natürlich noch der selbe für die Menschen,ich habe viele Freunde aus alten Zeiten behalten dürfen. Sie verstehen zwar nicht alles, was ich heute mache, aber sie respektieren meinen Weg. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich lebe natürlich auch nicht ohne Probleme und Schwierigkeiten, doch habe ich heute eine ganz andere Gelassenheit und Gewissheit im Gepäck, nämlich die, das da jemand ist, der mich kennt, führt und mein Bestes will.
3. Guido Horst, Vatican Magazin: Wie reagieren die Menschen, wenn Sie von Ihrer Begegnung mit Gott berichten?
Unterschiedlich, wie Sie sich sicher vorstellen können. Natürlich ist es so, das ich seit dieser Begegnung, keinen Tag mehr ohne Ihn leben und denken kann.Das ist auch der Grund, warum ich sogar sehr häufig, ja täglich, mit Menschen über Gott und Jesus ins Gespräch komme. Viele Menschen sind sehr offen, interessiert, neugierig und auch überrascht. Nur sehr wenige lehnen das Gespräch oder Zeugnis komplett ab.
4. Guido Horst, Vatican Magazin: Vor diesem Erlebnis im November 2005 waren Sie doch eigentlich das, was man so einen "tollen Hecht" nennt. Trotzdem sprechen Sie in Ihrem Buch von der Dunkelheit und Traurigkeit dieser Zeit. Warum war das so?
Das ist nicht so leicht und kurz zu beantworten. Dafür habe ich das Buch geschrieben, um all' das selbst einordnen zu können. Das schlimmste war wohl die Angst vor dem Tod. Die schweren Depressionen.Die innere Leere.Die Sehnsucht nach Liebe.Vor allem aber hat mir Gott gefehlt. Der Gott, der die Liebe, die Wahrheit und der Sinn des Ganzen ist. Ich habe mein Leben lang nach etwas gesucht, habe mich stets in die Exzesse gestürzt, allein aus dem Grund, mich überhaupt zu spüren, kennen und verstehen zu lernen. Leider ist mir das nie gelungen. Weder mit Geld, Frauen, Drogen, Alkohol, Karriere, Ansehen- nichts davon hat mir die letzte Frage beantworten können-Wozu nur das Ganze? Gott in meinem Leben nicht zu kennen, bedeutete für mich an innerer Einsamkeit zu implodieren. Erst als ich ihm begegnen durfte, hat die schmerzhafte Suche ein Ende gefunden. Zu dieser Liebe, die da um mich warb, konnte ich nur eines sagen: ja, ich glaube Dir!
5. Guido Horst, Vatican Magazin:Lebt man heute in Deutschland in einer gottlosen Zeit?
Gottlose Zeit muss man vielleicht definieren.Was ist gottlos? Wenn Sie mit gottlos meinen, das Wahrheit heute gerne relativiert wird, Leben von Beginn bis Ende nicht mehr schützenswert erscheint, wenn Beziehungsunfähigkeit und Patchworkfamilien als normale "moderne Gesellschaft" erhoben werden, wenn wir allein der Wissenschaft und dem Fortschritt folgen wollen, dann leben wir hier in Deutschland wohl leider in einer gottlosen Zeit. Es ist schade, das viele Menschen Gott nicht kennen oder ihn gar abschaffen wollen. Ich spreche aus Erfahrung: ein Leben ohne Gott ist kein echtes Leben.
6. Guido Horst, Vatican Magazin:Angesichts der immer kleiner werdenden " Herde" der Gläubigen:Worauf setzen Sie ihre Hoffnung?
1.Auf die Sehnsucht!Bei aller Säkularisierung heute ist doch das geistige Suchen und die Sehnsucht der Menschen nach Wahrheit, Ehrlichkeit, Geborgenheit, Liebe und geistiger Orientierung so stark wie nie.Das erlebe ich in meiner Arbeit täglich. 2.Auf Netzwerke! Wir "kleine Herde" lernen uns aufgrund der verändernden Strukturen besser zu vernetzen, sowohl persönlich auch als auch im Gebet: das sprengt auch schon mal die konfessionellen Grenzen. 3.Auf Gott! Ich begegne auf meinem Weg so vielen Menschen, die eine persönliche, lebendige Beziehung zu Jesus geschenkt bekommen, auf ungewöhnlichen Weisen und Wegen ihrem Leben eine neue Richtung geben- das macht mir Mut! Offensichtlich hat Gott diese Welt immer noch nicht aufgegeben.
7. Guido Horst, Vatican Magazin: Nun sind sie der Kirche begegnet und kennen sie inzwischen auch von innen. Sind sie da manchmal enttäuscht?
Ganz ehrlich:nein. Natürlich habe ich zu Beginn idealistische Vorstellungen gehabt und schnell festgestellt, das es in der Kirche auch "menschelt".Aber ich übertreibe nicht, wenn ich sage, das ich in der Kirche den Ort der Freiheit gefunden habe,den ich immer gesucht habe.Ich treffe dort viele tolle Menschen, die versuchen mit dem Evangelium ernst zu machen. Ich begegegne dort aber vor allem dem, der meine Seele gerettet hat:Jesus!
8. Guido Horst, Vatican Magazin:Wie nehmen Sie von Thüringen aus Papst Benedikt wahr (der ja offensichtlich Überlegungen, das Eichsfeld zu besuchen, beiseite gelegt hat)?
Der Papst wird hier im katholisch geprägten Eichsfeld sehr geschätzt und es wäre sicher eine grosse Ehre gewesen, wenn wir ihn hier hätten begrüssen dürfen.Es gibt leider in Deutschland auch einige AntiPapstStimmen, die mich sehr traurig machen.Auf der anderen Seite sagt es nichts anderes, als das er als "Salz der Erde" noch eine ganze Menge Kraft hat. Ich persönlich empfinde es als ein riesengroßes Geschenk
unter diesem Papst leben zu dürfen und meinem Glaubenswegmit ihm begonnen zu haben. Ich verfolge alles sehr genau,was ersagt und lese alle seine Bücher.Er ist heute nach Jesus einer meiner grössten Lehrer.
Vielen Dank für das Gespräch.


Danke Dario Pizzano.Seine Glaubensstärke gibt Kraft und ermutigt.Er argumentiert nicht mit dem Zeitgeist,sondern beruft sich auf Jesus Christus.Jesus Christus ist der Weg,die Wahrheit und das Leben.
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