"Ein Mensch ohne Antwort des Himmels bleibt eine ungelöste Frage"
Herzlich möchte ich mich bei Vikar Gelfus für die Einladung zur heutigen Fastenpredigt bedanken.
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
1. Das Spiel
Kennen sie das Spiel "Das verrückte Labyrinth"?
Ein Spiel, 64 Karten liegen auf einem Brett, angeordnet zu einem Labyrinth aus Mauern und Steinen. Auf einigen Karten sind Symbole markiert; Schatztruhen, Edelsteine oder eine wertvolle Krone. Diese Ziele müssen die Spieler erreichen. Jedem Spieler werden einige dieser Ziele zugeteilt. Sie ziehen jeweils Karten, auf denen die Symbole noch einmal auftauchen und es gilt nun sich mit seiner Spielfigur aufzumachen diese Schätze im Labyrinth zu sammeln.
Es gibt jedoch eine kleine Gemeinheit. Das Labyrinth ist beweglich! Denn es gibt noch eine Karte, mit der jeder, der an der Reihe ist, die Mauern und Wege von außen verschieben kann. Und natürlich versucht der Gegenspieler auch sein eigenes Ziel zu erreichen.
Das heisst also, plötzlich steht man vor einer Wand, wo eben noch ein Weg war! Ständig muss man die Richtung wechseln, immer neue Versuche starten, neue Wege finden, und auch mal umkehren, wenn man in einer Sackgasse gelandet ist. Dann muss eine neue Taktik gefunden werden.
Ein verücktes Labyrinth eben.
Man kann dabei sehr schnell schon mal das Ziel, dass man zu erreichen versucht, aus den Augen verlieren. Die Geduld wird strapaziert und man könnte sich auch fragen, wozu eigentlich das Ganze? Der Schritt zur Verzweiflung ist nicht mehr weit, wenn kurz bevor das Ziel erreicht ist, sich wieder eine Mauer vor einen schiebt.
2. Das Leben
Liebe Schwestern, liebe Brüder, warum erzähle ich Ihnen von diesem Spiel?
Vielleicht kommt ihnen das ein oder andere daraus ja aus ihrem Leben bekannt vor? Ist dieses Spiel nicht ein wunderbares Bild für unser Leben? Wir rennen von hier nach dort, haben ein Ziel, wo wir unbedingt hin möchten und versuchen es unter allen Umständen zu erreichen. Doch dann werden die Wege auf einmal verstellt, neue müssen immer wieder gefunden werden. Plötzlich steht man in einer Sackgasse und muss wieder einen Weg hinaus suchen. Einige von uns verlieren dabei schon mal die Geduld oder auch die Orientierung.
Aber so ist unser Leben! Ein einziges Labyrinth möchte man manchmal sagen. Viele Wege und auch viele Ziele begegnen uns darin. Und immer sind wir unterwegs .
3. Das Ziel verloren
Doch was passiert, liebe Schwestern und liebe Brüder, wenn wir unterwegs unser Ziel auf einmal aus den Augen verlieren? Was passiert, wenn wir uns so sehr verirrt haben, dass wir ganz vergessen, wohin wir eigentlich unterwegs waren? Was passiert, wenn uns auf unserer Reise plötzlich andere, neue Ziele begegnen, von denen wir annehmen, dass es sich mehr lohnt diesen vorläufigen Zielen nachzujagen?
Oder was geschieht etwa, wenn wir Menschen durch das Labyrinth des Lebens irren, ohne überhaupt zu wissen, dass es ein Ziel darin gibt, dass dort etwas ist, was wir sogar suchen müssen?
Beim Brettspiel ist es wohl leicht diese Folgen vorherzusagen. Ohne zu wissen, wo man hin muss, würde man das Spiel wohl verlieren...
Doch heute hat man den Anschein, dass es vielen Menschen so geht. Sie kennen das Ziel des Lebens nicht mehr, verlieren es aus den Augen und irren oftmals scheinbar blind und hilflos umher.
Das ist dann ein Leben ohne ein letztes Ziel, eine Leben ohne Hoffnung auf Erfüllung, ein Leben ohne Anspruch auf Sinn. Denn Sinn heisst Richtung haben!
Ein Mensch ohne ein letztes Ziel, überfordert die Erde!
Denn er erwartet von ihr, die Erfüllung aller Sehnsüchte. Ein Traumurlaub in die Karibik. Eine Villa mit drei Schlafzimmern. Eine Musikanlage mit 2500 Watt. Eine ganze Menge Freunde. Ein knallrotes Auto mit 300 PS. Die Liebe seines Lebens. All das soll ihm ewiges Glück verschaffen. So ein Mensch erwartet von der Erde einfach alles.
Doch er wird immer wieder spüren - das ist es nicht! Seltsam - das ist einfach nicht das, was ich mir erhofft habe. Ich muss also weiter ziehen. Ich werde die Erfüllung schon finden.
Wie ist das eigentlich, ein Leben so ganz ohne Himmel? Ein Leben ohne Aussicht auf die Erfüllung von Gerechtigkeit, Vergebung und Glück am Ende unserer Zeit?
Ein Mensch ohne Aussicht auf diese ewige Hoffnung, ist ein trauriger Mensch.
Ein Mensch ohne Himmel überfordert sich selbst und seine Mitmenschen. Der Mensch ist und bleibt trotz der vielfältigen Angebote heute stets auf der Suche. Er sucht dieses und jenes, er strebt ständig nach Vereinigung und Erfüllung seiner Sehnsüchte.
Doch was schenkt ihm denn den wahren Sinn seines Lebens?
Viele sehen den Sinn ihres Lebens vielleicht in der Karriere, im eigenen Partner, den Hobbys oder auch im Weiterleben durch die Kinder - doch was ist mit ihm persönlich? Wo liegt der wahre Grund seines Daseins? Wozu ist er wirklich auf der Welt? Alle diese Fragen drängen sich immer wieder auf, besonders in schweren Situationen, im Leid, in Krankheit und auch bei dem Gedanken an den Tod. Diese ewigen Fragen sind es, die den Menschen überfordern, denn er hat keine Antwort darauf. Er verdrängt sie vielleicht oder er flüchtet in vorläufige Scheinantworten.
Ein Mensch ohne die Antwort des Himmels bleibt eine ungelöste Frage.
So viele Menschen erfahren das heute. Sie suchen, finden aber nicht. Sie funktionieren, leben aber nicht. Sie kommunizieren mit Technik, begegnen sich aber nicht. Sie haben Hunger und werden einfach nicht satt. Sie sehnen sich nach etwas, erfüllt aber wird es nicht.
Der Sinn des Lebens, das eigentliche Ziel, das es zu erreichen gilt, bleibt ihnen verborgen.
Aber liebe Schwestern, liebe Brüder, ist dieses Ziel wirklich so verborgen oder ist es nicht vielleicht doch möglich, dieses Ziel zu finden, es zumindest zu kennen?
Die Menschen fragen oft danach, antworten jedoch nur selten darauf!
Ja, genau - ich hab mich nicht versprochen, sie antworten nicht. Vielleicht sind sie ja selbst die Antwort. Vielleicht hat dieser Sinn des Lebens, diese Ziel, nach dem sie alle bewusst oder unbewusst suchen, schon längst einmal auf ihr Suchen geantwortet und wartet jetzt auf ihre Antwort!
"Du selbst bist die Antwort", so heisst ein Buch von C. S Lewis, meinem Lieblingschriftsteller.
Ist das nicht ein wunderbarer Gedanke? Wir selbst sind die Antwort! Wir sollten vielleicht nicht immer so viel fragen. Wir könnten vielleicht einmal antworten.
Wie kann das sein? Das Problem scheint zu sein, das wir von dem Fragesteller, dem, der um unsere Antwort wirbt, nicht mehr viel wissen. Er hat den Suchenden, Trauernden und Leidenden - er hat uns allen - bereits grundlegend geantwortet und uns überreich beschenkt!!
4. Mit dem Ziel beschenkt
Ja, das Ziel des Lebens wurde uns allen bereits geschenkt. Und dieses Geschenk, dass ist der Himmel.
Und Jesus kam, um uns davon zu erzählen.
Jesus ist das Geschenk des Himmels. Und Jesus wiederum schenkte uns den Himmel!
Wir haben es gerade in der Lesung gehört - Jesus sagt es uns damals wie heute "Euer Herz lasse sich nicht verwirren, glaubt an Gott und glaubt an mich"- er sagt uns, vertraut mir doch und vertraut auf Gott. "Ich gehe Euch einen Platz vorzubereiten" Eine Wohnung beim Vater, bei seinem und unserem Vater. Das klingt ganz wunderbar. Wer möchte nicht mit diesem liebevollen und gütigen Jesus zusammen sein am Ende der Tage? Das ist doch eine herrliche Zusage.
Eine Wohnung bei Gott ist also das Ziel des Lebens. Danach streben wir. Danach sehnen wir uns.
5. Der Weg zum Ziel
Aber wie nur ist das möglich? Wie können wir diesen Weg zu Gott, zum Vater finden? Wie kommen wir durch dieses verrückte Labyrinth, das sich Leben nennt?
Diese Frage des zweifelnden Thomas ist eine wichtige Frage für uns alle. Wie können wir den Weg zu diesem Vater und in diese Wohnung finden?
Jesus antwortet dem suchenden und zweifelnden Thomas damals und uns heute: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben - niemand kommt zum Vater außer durch mich.
Jesus hat uns also einen Weg durch das Labyrinth gewiesen. Er selbst ist dieser Weg. Wenn wir mit diesem Geheimnis, dass alle Gott nennen, Gemeinschaft haben wollen und eines Tages in einer seiner Wohnungen Platz finden möchten, so halten wir uns einfach an Jesus, sprechen ihn an und bitten ihn darum uns zu führen. Er wird uns ganz sicher nicht enttäuschen!!
"Ich werde Euch den Himmel vorbereiten", sagt Jesus. Doch auch auf Erden kann es bereits einen kleinen Vorgeschmack davon geben. Auch hier können wir schon Gemeinschaft mit Gott haben, und zwar im Glauben. Der Glaube - das ist der Vorhof des Himmels.
Denn der Himmel selbst ist gar kein Ort - er ist ein Zustand, die Gemeinschaft mit Gott, und das ist Gemeinschaft haben mit der Wahrheit.
Somit ist der Glaube ein kleiner, aber feiner Vorgeschmack auf den Himmel. Die ewige Gemeinschaft mit Gott das ist die Erfüllung all unserer Sehnsüchte und Träume, das ist das Aufdecken aller Irrtümer und auch Lügen. Am Ende der Lüge steht also die Wahrheit. Ein Leben in Fülle - Ewiges Leben voller Frieden, Gerechtigkeit, Vergebung und Glück.
Ja, seit dem die Welt mit Jesus beschenkt ist, sind wir durch ihn mit dem Himmel beschenkt. Durch Jesus ist uns der Himmel geöffnet, durch Jesus wissen wir wie Gott ist. Der Himmel hat in Jesus die Erde berührt und sich uns erklärt.
Und er sagt uns: erwartet Euer Glück nicht allein auf Erden. Das Leben ist wundervoll, zauberhaft, ein einzigartiges, einmaliges Geschenk für Euch, ja!
Doch bekommen wir auch von ihm gesagt gezeigt: Wir alle sind nur Pilger, Gast hier auf Erden.Wir alle wandern auf unterschiedlichen Wegen auf ein gemeinsames Ziel zu. Am Ende der Reise erwartet uns alle unsere Heimat. Heimat kommt von Geheimnis. Dieses Geheimnis, unsere Heimat ist Gott selbst.
Ist das nicht eine wunderbare Nachricht? Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es, so jubelt der Apostel Paulus in einem seiner Briefe an die Gemeinden. Wir kennen also nicht nur unser Ziel, sondern mit Jesus, dem Christus wurde uns sogar ein Weg dorthin gewiesen.
Liebe Schwestern und Brüder,
die Fastenzeit in diesem Jahr darf uns allen Einladung sein, einmal mehr in unserem Leben über das eigentliche Ziel unseres Lebens nachzudenken. Schauen wir auf Gott selbst und erwarten wir von ihm allein das, was er uns geben möchte. Sein Wille geschehe. So werden wir vielleicht zu Menschen, die mit dem Wissen um den Himmel leben und somit weder sich noch jemand anderen überfordern. Vielleicht dürfen wir die Fastenzeit auch als eine Zeit nutzen, in der wir uns um unseren Auftrag als mit dem Himmel beschenkte Menschen deutlich bewusster werden-ein Geschenk macht doch nur wirklich Freude, wenn man es miteinander teilt. Gehen wir also wieder hinaus in diese Welt und bieten den Menschen ohne Ziel, Menschen auf der Suche etwas grossartiges an: zeigen wir Ihnen den Himmel selbst, schlagen wir ihn wieder vor: den Glauben und die Freundschaft mit Jesus Christus.
In dem Spiel "Das Verrückte Labyrinth" verliere ich übrigends persönlich sehr oft. Vor allem gegen meine beiden klugen und geduldigen kleinen Kinder. Gerade meine siebenjährige Tochter Emily hat es mir am vergangenen Sonntag in wenigen Worten und Taten vorgemacht, wie herrlich fröhlich und klar man das als Kind noch sehen kann:als ich ihr den Weg versperrte, da zeigte sie sich einen Moment entrüstet, schlagartig aber hellte sich ihr Blick auf und sie sagte:"Na und Papa, da ist ja gar nicht schlimm-ich weiss ja trotzdem immer, wo ich hinmuss!" Das sollte uns vielleicht eine Beispiel sein. Jesus sagt:wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, dann könnt ihr das Himmelreich nicht erben!" Also nur Mut, kehren wir doch zum Vertrauen der Kindheit zurück, an dem wir eigentlich schon immer spürten, ja im Grunde unseres Herzens wussten- alles ist gut.
Amen.
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