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Montag, 2. Mai 2011

" Die erste Heilige Schrift der Christen"

Großes Interesse im Eichsfeldforum für die „Septuaginta“

Heiligenstadt. „Miteinander Gemeinschaft haben und etwas lernen“, umriss Dario Pizzano als Leiter des Eichsfeldforums am Donnerstag im Marcel-Callo-Haus das Anliegen des Vortragsabends und er schloss eine herzliche Einladung an, „mitzudenken und mitzudiskutieren“. Die Zuhörer nutzten dieses Angebot nach dem Vortrag von Felix Albrecht aus Göttingen ausgiebig.


Das Thema „Die erste Heilige Schrift der Christen“ war der Septuaginta gewidmet, der ältesten Übersetzung des Alten Testaments aus dem Hebräischen ins Griechische aus dem 3. Jahrhundert vor Christus. Nach der Legende sollen 70 Gelehrte daran gearbeitet haben; ebenfalls zur Legende gehört, dass sie 72 Tage lang auf einer Insel mit ihrer Übersetzungstätigkeit beschäftigt gewesen sein sollen. In Anlehnung an den lateinischen Namen für die Zahl 70 trägt das Werk den Namen „Septuaginta“. Während in der Alltagssprache von der ersten oder auch der ältesten Bibelübersetzung gesprochen wird, formulierte Felix Albrecht exakt, es handele sich um den ältesten für die Wissenschaftler erreichbaren Text. 

Der Diplom-Theologe ist nicht nur an der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen tätig. Er forscht an der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen im Septuaginta-Unternehmen. 1908 wurde diese wissenschaftliche Forschungsstelle gegründet, mit dem Ziel, sich einem der bedeutendsten Werke der Weltliteratur zu widmen, es zu rekonstruieren, zu dokumentieren und eine kritische Edition herauszugeben. 

Weltweit sind Wissenschaftler daran beteiligt, wobei Göttingen als „Knotenpunkt“ gilt. Finanziert wird die Forschungstätigkeit, die frei ist und nicht an eine Konfession gebunden, vom Bund und vom Land Niedersachsen. Gespannt verfolgten die Teilnehmer des Forums Felix Albrechts Ausführungen zur Arbeit des Septuaginta-Unternehmens, hörten, dass er während seines Studiums ein Jahr lang in Rom, in der Vatikanischen Bibliothek, forschen durfte und im vergangenen Jahr zweimal zu Forschungszwecken zu Besuch in der griechischen Mönchsrepublik Athos weilte. 

Heute stünden, so der Gastredner, Wirtschaftlichkeit und Effizienzdenken im Vordergrund, jedoch im Hinblick auf die humanistische Bildung bereichere die wissenschaftliche Arbeit des Septuaginta-Unternehmens die Gesellschaft. Die Besucher nutzten die seltene Gelegenheit, ein weltberühmtes literarisches Werk aus nächster Nähe zu betrachten, das Felix Albrecht aus dem Besitz des Göttinger Instituts mitgebracht hatte: ein Faksimile des Codex Vaticanus aus dem Jahre 1999. In der Bibliothek des Vatikans befindet sich das Original, das Alte und Neue Testament in griechischer Sprache enthaltend. Das ebenfalls einsehbare, zusammen mit dem Faksimile erschienene Begleitbuch mit Erklärungen trägt die Unterschrift von Papst Johannes Paul II vom Dezember 1999. 

Dario Pizzano hatte an Felix Albrecht die Frage und Bitte gerichtet, seine Gedanken zu modernen Bibelbearbeitungen zu äußern. Die diplomatische Antwort, bezogen auf die Leser, die damit angesprochen werden sollen, nicht auf den wissenschaftlichen Anspruch: „Wenn es eine Möglichkeit ist, die Frohe Botschaft zu bringen, dann ist auch das der richtige Weg...“


Dipl. Journ. Christine Bose

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