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Sonntag, 22. Februar 2015

Presseartikel "Alles neu- Wer ist Papst Franziskus?"



Den Papst nicht an einem Abend kennen lernen

Prof. Dr. Josef Freitag sprach im sehr gut besuchten Eichsfeldforum  

Heiligenstadt. (cb) 

Der fesselnde Vortrag begann mit einer Frage des Referenten: „Wie stellt man jemanden  vor, den Sie kennen? Sie haben ja längst gelesen, wann er geboren ist, wo er gelebt hat...“. 

Mussten sich die Organisatoren des Eichsfeldforums noch nie über mangelnden Besucherzuspruch beklagen, machte die Abendstunde am Donnerstag, 22. Januar 2015, deutlich: Es gab noch eine Steigerung. Die Zuhörer  waren ins Marcel-Callo-Haus geströmt, um beim ersten Eichsfeldforum des Jahres 2015 Antworten auf die Fragen zu erhalten: „Alles neu? Wer ist Papst Franziskus?“ 

Dario Pizzano als Ansprechpartner für die hochkarätige Reihe begrüßte hierzu Prof. Dr. Josef Freitag, Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Josef Freitag, der 1976 zum Priester geweiht wurde, studierte Philosophie und Theologie an den Universitäten Münster, Strasbourg und Rom. Dario Pizzano verwies darauf, dass die Worte und das Handeln des Oberhauptes der katholischen Kirche in aller Munde und in allen Medien seien. 

Im Vergleich zu seinem Amtsvorgänger Papst Benedikt XVI habe Franziskus „bei gleicher Sache und gleichem Glauben einen völlig neuen Stil entwickelt“, so Prof. Freitag, um hinzuzufügen: „Sie werden ihn nicht heute Abend, aber permanent kennen lernen.“  Der neue Papst könne uns auf Dinge aufmerksam machen, „die wir nicht sehen.“ 

Sehr zum Nachdenken anregend sind die Worte des Theologen und Lehrenden zur Weihnachtsansprache des Papstes an die Leiter der vatikanischen Kurie. Da könnte jetzt so mancher ausrufen: „Er hat denen aber ganz schön die Meinung gegeigt und die Leviten gelesen!“ Doch sei vielmehr zu fragen: „Was trifft davon auf mich selber zu? Blicke ich schadenfroh auf andere oder betrachte ich die Worte der Weihnachtsansprache als Hilfe für mich?“ 

Kritisch blickte Prof. Freitag auf Erscheinungen unserer heutigen Kultur, die häufig darauf gerichtet seien, narzisstisch und selbstzentriert zu bleiben, selbst gut dazu stehen, niemanden an sich „ranzulassen“, sich mit dem Anliegen zu beschäftigen: „Wie beeinflusse ich andere?“ 

Einen nicht unbeträchtlichen Teil des Abends widmete der Gast dem viel beachteten Apostolischen Schreiben des Heiligen Vaters vom 24. November 2013 „EVANGELII GAUDIUM“ („Die Freude des Evangeliums“), gerichtet auch an die „christgläubigen Laien“. Damit verkünde der Papst – das unterstrich der Dogmatik-Professor – kein Regierungsprogramm. 

Der Hinweis des Referenten lautete, den Text zu lesen, um das Neue kennen zu lernen. Nicht nur für die Bischöfe, Priester, Diakone, sondern für alle Getauften sei dieses Programmschreiben bestimmt, wolle doch Franziskus darin klar machen: Die Begegnung mit Jesus gebe Kraft und stehe jedem Menschen offen. Die Jünger Jesu – dies als Anmerkung Prof. Freitags – hätten, um das Evangelium zu verkünden, keine Zeit für eine Ausbildung gehabt, sondern mit dem Herzen gehandelt. 

Die sich anschließende angeregte Diskussions- und Fragerunde zeigte sehr deutlich, wie sich die Zuhörer mit der Person Papst Franziskus und seinem Tun beschäftigten. Eine Bemerkung Professor Freitags wirkt über den Abend hinaus: „Sie werden Franziskus nur verstehen, wenn Sie selber Jesus begegnen. Das traut Ihnen Franziskus zu.“

Christine Bose

      

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