Archäologen auf der Spur des Erlösers
Heiligenstadt.
Die Evangelisten wussten ganz genau, worüber sie geschrieben haben; Matthäus und später Lukas hinterließen keine frommen Legenden, sondern Berichte, die heute den Untersuchungen von Historikern, Archäologen und Astronomen standhalten. Fazit eines spannenden Bildungsabends im Marcel-Callo-Haus, dessen Inhalte nur ansatzweise wiedergegeben werden können.
Zu Autorenlesung und Gespräch war Michael Hesemann aus Düsseldorf angereist. Der international tätige Autor, Historiker, Dokumentarfilmer und Fachjournalist für populärwissenschaftliche und kirchengeschichtliche Themen nahm im Eichsfeldforum die zahlreichen Interessenten mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit, um u. a. den historischen Hintergrund des Weihnachtsfestes, der Geburt und der Kindheit Jesu zu erläutern.
Im Mittelpunkt stand sein bisher letztes – das nächste ist in Arbeit – seiner über 30 Bücher, die in 14 Sprachen übersetzt wurden: „Jesus von Nazareth – Archäologen auf den Spuren des Erlösers“. Michael Hesemann kennt aus eigener Anschauung alle Orte, über die er schreibt, hält Kontakt zu Geschichtswissenschaftlern, besucht Archäologen an ihren Ausgrabungsstätten, war bekannt mit dem international angesehenen israelischen Archäologen Ehud Netzer. Der Ende Oktober 2010 verstorbene Wissenschaftler, der drei Jahrzehnte lang in Jerusalem nach dem Grab des Herodes gesucht hatte, hatte mit dem sensationellen Fund in der Palastanlage auf dem Hügel im Jahre 2007 in Fachkreisen weltweit von sich reden gemacht. Im Heiligen Land, dessen Besuch Michael Hesemann unbedingt empfahl, könne man heute auf wissenschaftlicher Grundlage die in den Evangelien genannten Stellen „verorten“.
Es beabsichtige nicht, den Zuhörern Weihnachten kaputt zu machen, noch dazu jetzt, vier Wochen zuvor. Wie ist das aber mit der Geschichte, wonach Maria ihr Kind, den Sohn Gottes, in einem Stall zur Welt brachte? „Unsere mitteleuropäischen Vorstellungen von einem Stall sind andere“, erläuterte der Autor: Im Heiligen Land wurde Bauholz teuer aus dem Libanon importiert. Die Menschen bauten deshalb keine Ställe im herkömmlichen Sinne, sondern schlugen sogenannte Stallhöhlen in die Kalksteinfelsen und bauten ihre Wohnhäuser davor. Die Stallhöhlen boten zudem klimatische Vorteile, waren im Winter warm und im Sommer angenehm kühl. Zur Steuerschätzung ist historisch belegt: Entrichtet werden mussten eine Kopf -und eine Bodensteuer. Wer Grund und Boden besaß, hatte seine Steuererklärung am Ort des Grundbesitzes abzugeben.
Nach dem Lukas-Evangelium befanden sich zur Geburt Jesu die Hirten mit ihren Schafherden auf dem Feld. Nach dem Talmud, dem bedeutendsten Schrifttum des Judentums, wurden die Schafe im März auf die Weide gebracht und im November in ihre Ställe. Feiern wir also Weihnachten, das schönste aller Feste im Jahreslauf, drei Monate zu früh? Hierzu Michael Hesemann: „Historische Forschung muss vorurteilsfrei geschehen.“ Dennoch gab er den Zuhörern mit auf den Weg: Das Weihnachtsfest im Dezember, wenn das Licht über die Dunkelheit siegt, ist so wunderbar als Zeitpunkt der Geburt Christi.
Und wer will schon am Heiligen Abend darüber nachdenken, ob dieser Tag mit dem historischen Termin identisch ist.
Die Evangelisten wussten ganz genau, worüber sie geschrieben haben; Matthäus und später Lukas hinterließen keine frommen Legenden, sondern Berichte, die heute den Untersuchungen von Historikern, Archäologen und Astronomen standhalten. Fazit eines spannenden Bildungsabends im Marcel-Callo-Haus, dessen Inhalte nur ansatzweise wiedergegeben werden können.
Zu Autorenlesung und Gespräch war Michael Hesemann aus Düsseldorf angereist. Der international tätige Autor, Historiker, Dokumentarfilmer und Fachjournalist für populärwissenschaftliche und kirchengeschichtliche Themen nahm im Eichsfeldforum die zahlreichen Interessenten mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit, um u. a. den historischen Hintergrund des Weihnachtsfestes, der Geburt und der Kindheit Jesu zu erläutern.
Im Mittelpunkt stand sein bisher letztes – das nächste ist in Arbeit – seiner über 30 Bücher, die in 14 Sprachen übersetzt wurden: „Jesus von Nazareth – Archäologen auf den Spuren des Erlösers“. Michael Hesemann kennt aus eigener Anschauung alle Orte, über die er schreibt, hält Kontakt zu Geschichtswissenschaftlern, besucht Archäologen an ihren Ausgrabungsstätten, war bekannt mit dem international angesehenen israelischen Archäologen Ehud Netzer. Der Ende Oktober 2010 verstorbene Wissenschaftler, der drei Jahrzehnte lang in Jerusalem nach dem Grab des Herodes gesucht hatte, hatte mit dem sensationellen Fund in der Palastanlage auf dem Hügel im Jahre 2007 in Fachkreisen weltweit von sich reden gemacht. Im Heiligen Land, dessen Besuch Michael Hesemann unbedingt empfahl, könne man heute auf wissenschaftlicher Grundlage die in den Evangelien genannten Stellen „verorten“.Es beabsichtige nicht, den Zuhörern Weihnachten kaputt zu machen, noch dazu jetzt, vier Wochen zuvor. Wie ist das aber mit der Geschichte, wonach Maria ihr Kind, den Sohn Gottes, in einem Stall zur Welt brachte? „Unsere mitteleuropäischen Vorstellungen von einem Stall sind andere“, erläuterte der Autor: Im Heiligen Land wurde Bauholz teuer aus dem Libanon importiert. Die Menschen bauten deshalb keine Ställe im herkömmlichen Sinne, sondern schlugen sogenannte Stallhöhlen in die Kalksteinfelsen und bauten ihre Wohnhäuser davor. Die Stallhöhlen boten zudem klimatische Vorteile, waren im Winter warm und im Sommer angenehm kühl. Zur Steuerschätzung ist historisch belegt: Entrichtet werden mussten eine Kopf -und eine Bodensteuer. Wer Grund und Boden besaß, hatte seine Steuererklärung am Ort des Grundbesitzes abzugeben.
Nach dem Lukas-Evangelium befanden sich zur Geburt Jesu die Hirten mit ihren Schafherden auf dem Feld. Nach dem Talmud, dem bedeutendsten Schrifttum des Judentums, wurden die Schafe im März auf die Weide gebracht und im November in ihre Ställe. Feiern wir also Weihnachten, das schönste aller Feste im Jahreslauf, drei Monate zu früh? Hierzu Michael Hesemann: „Historische Forschung muss vorurteilsfrei geschehen.“ Dennoch gab er den Zuhörern mit auf den Weg: Das Weihnachtsfest im Dezember, wenn das Licht über die Dunkelheit siegt, ist so wunderbar als Zeitpunkt der Geburt Christi.
Und wer will schon am Heiligen Abend darüber nachdenken, ob dieser Tag mit dem historischen Termin identisch ist.
Christine Bose


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