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Montag, 6. September 2010

Rezension in der Zeitschrift "Leben" von Sebastian Grundberger

Heute bin ich Gott begegnet“
Dario Pizzano schreibt ein Buch über seine „Wahnsinns-“ Bekehrung

Viele Menschen bekommen den Glauben mit in die Wiege gelegt. Solche Menschen haben das Glück, gewissermaßen in den „Glaubens-Zaubertrank“ gefallen zu sein. Bei anderen schlägt Gott buchstäblich aus heiterem Himmel ein. Wie das geht, beschreibt Dario Pizzano in seinem Buch „Exzess - Meine zwei Leben“. Nervlich und psychisch am Ende spricht er auf einer Autofahrt im Jahr 2005 den Satz vor sich hin: „Mein Gott, ich kann einfach nicht mehr“. Was dann passiert, beschreibt der damals 31jährige so: „Da geschieht es. Ich fühle, das JEMAND diesen Satz hört. Ich pralle zurück. Bin wie geschlagen. Körper, Seele, Geist – alles zugleich wird berührt. Ich zittere. Was ist das? Hilfe! Werde ich verrückt? Nein. Es ist keine Einbildung. Es ist wahr. Liebe, unfassbare Liebe durchdringt mich.“

Von da an ist nichts, wie es war im Leben des Dario Pizzano. Völlig überwältigt vertraut sich der Deutsch-Italiener den ersten Menschen an, die er trifft. „Heute bin ich Gott begegnet“ bringt er hervor. Bis zu diesem Tag hatte Dario Pizzano mit Gott oder Kirche nicht viel zu tun. Als Eventmanager und Geschäftsführer mehrerer Clubs war sein bisheriges Leben alles andere als lichtdurchflutet. Auf eine schwierige Kindheit bei getrennten Eltern, die kaum Zeit für ihn hatten, folgte ein Leben, in dem er stets seine eigene Angst betäubte – mit Exzessen. Mit Drogen, Alkohol, Frauengeschichten und allem, was dazu gehört. Schonungslos offen beschreibt Pizzano diese Zeit. In einigen Phasen habe er „quasi permanent die Alkoholflasche an der Kehle“ gehabt und oft - statt echte Freundschaften zu schließen - Ecstasy, LSD und Opium „näher kennen gelernt“. Glücklich ist er bei all dem nicht geworden. Immer wieder erlebt er Abstürze. Einmal durchfährt es den Autor mitten auf einer „abartigen“ Party wie ein Blitz: „Ich bin (…) zum Kotzen“.

Dario Pizzano schreibt, wie er spricht. Mit kräftiger und authentischer Sprache beschreibt er die Abstürze und Glücksmomente seines Lebens – und wendet sich direkt an seine damaligen Weggefährten: „Ich bin einfach Christ geworden. (Christ, wohlgemerkt, nicht Heiliger. Bis dahin ist es noch eine lange Strecke.) Hmm. Ihr wisst selbst, wie ich früher drauf war, wie gerne ich über das lästerte, was auch nur nach Religion roch. Ihr habt ein Recht zu fragen: Und nun steht er gleich auf den Papst? Wäre das nicht auch mit Tantra gegangen? Oder mit tibetanischem Buddhismus? Warum gleich sowas Abgefahrenes? Habe ich mich auch gefragt. Aber vielleicht interessiert Euch die Geschichte ja.“

Diese Geschichte ist wirklich interessant. Sie führt aus dem tiefsten Sumpf in die Liebe Gottes. Vom „Beziehungskurzarbeiter“ vor den Traualtar. Von der Piste zum Papst. Von bunten Pillen in ein buntes Leben. Und die Art, in der Dario Pizzano sie schreibt, ist mitreißend. Er trägt sein Herz auf der Zunge und verbirgt nichts – keinen Absturz aber auch keinen Deut von der Freude und der Liebe, die ihm sein neues Leben mit Gott schenkt. 


Genau diese schonungslose Ehrlichkeit macht den besonderen Reiz von „Exzess“ aus. Das Buch ist ungehobelt, rauh und auf jeder Seite echt. Glatte Geschichten findet man woanders. Eine, die von den Socken reißt, jedoch in diesem Buch.

Der Weg des Dario Pizzano geht weiter. Heute arbeitet er beim Bistum Erfurt und ist dort für Erwachsenenbildung zuständig. Gleichzeitig versucht er, auch denen von Gott zu erzählen, die noch weit von ihm entfernt sind – durch sein Buch und in seinem Internet-Blog unter http://dariopizzano.blogspot.com/.

Sebastian Grundberger

1 Kommentar:

  1. Ich finde dies Geschichte sehr interessant. Gott fragt nicht ob wir gerade Zeit haben wenn er uns ruft. Er ruft Menschen, wenn er es für nötig hält und dass ist gut so

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